Verdacht auf organisierte Kriminalität

Reinickendorf. Ein Mord in einem Wettbüro an der Residenzstraße am 10. Januar hat den Blick auf organisierte Kriminalität im Bezirk gelenkt.

Tahir Ö. befindet sich am späten Abend des 10. Januar in einem Wettbüro an der Residenz-, Ecke Hausotterstraße. Der 26-Jährige steht an einem Spielautomaten im hinteren Teil des Geschäfts. Gegen 23 Uhr stürmen plötzlich zehn Männer in das Lokal. Sie rennen an der Bar und an anderen Gästen vorbei in den Bereich, in dem sich Tahir Ö. befindet. Einer der Männer zieht eine Waffe und schießt mehrfach auf den jungen Mann. Der bricht zusammen und stirbt bald darauf.

Für die Ermittler stellt sich der Fall dar wie eine Hinrichtung im Bereich der organisierten Kriminalität. Der Anschlag war geplant und quasi militärisch organisiert. Ein Teil der Angreifer war maskiert. Sie waren offenbar in mehreren Fahrzeugen zu dem Wettbüro gefahren, mit denen sie nach der Tat sofort wieder verschwanden. Nach den Erfahrungen der Ermittler gehen Kriminelle so gegen frühere Komplizen vor, die bei der Polizei aussagen wollen, Einkünfte aus Verbrechen für sich abzweigen oder zu konkurrierenden Gruppen wechseln wollen.

Den Ermittlern drängte sich daher schnell der Verdacht auf, die Tat könnte Teil einer Auseinandersetzung im Rockermilieu sein. Teile von Polizeihundertschaften und auch Angehörige des Mobilen Einsatzkommandos suchten einschlägige Treffpunkte auf. Ob sich dabei Hinweise auf die Täter ergaben, war bis Redaktionsschluss nicht bekannt.

Tahir Ö. ist der zweite Erschossene innerhalb nur einer Woche in Berlin. Am 9. Januar war ein 46-jähriger Mann auf seinem Grundstück in Berlin-Rosenthal mit einer Schusswaffe getötet worden. In Wedding wurde am 16. Januar ein etwa 50 Jahre alter Kioskbesitzer erschossen in seiner Wohnung aufgefunden.

Mit Auseinandersetzungen in der Rockerszene hat Reinickendorf leidvolle Erfahrung. 2010 waren ehemalige Angehörige der Bandidos zu den Hells Angels gewechselt und hatten sich in einem Clubhaus an der Residenzstraße niedergelassen. Vor dem Club kam es regelmäßig zu Auseinandersetzungen zwischen Rockern. Am 24. Mai 2012 verbot Innensenator Frank Henkel (CDU) die Gruppierung an der Residenzstraße. Das Lokal, in dem der Mord geschah, fiel bisher nicht als Rockertreffpunkt auf.


Christian Schindler / CS
0
Einstellungen für Weiterempfehlungen
 auf anderen WebseitenSenden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.