Kosten für Hilfen zur Erziehung steigen weiter an

Reinickendorf. Die Ausgaben für die Hilfen zur Erziehung (HzE) werden auch diesem Jahr wieder das Budget überschreiten. Das Jugendamt hat jetzt schon mehr Fälle als im gesamten Vorjahr.

Knapp 32 Millionen Euro hat das Jugendamt für dieses Jahr für die Hilfen zur Erziehung zu Verfügung. Das ist kaum mehr als der Bezirk im Vorjahr vom Land erhalten hat, obwohl die Fallzahlen seit Jahren steigen. Das Jugendamt geht deshalb davon aus, dass auch in diesem Jahr das Budget nicht ausreichen wird. Nach aktueller Prognose werden etwa 36 Millionen Euro gebraucht. Wobei das Jugendamt noch mit einem Nachschlag, der sogenannten Basiskorrektur von rund 1,5 Millionen rechnet. Unterm Strich blieben dann aber immer noch 2,5 Millionen Euro Mehrausgaben, die der Bezirk alleine tragen müsste.

Die HzE gibt es für Eltern oder Alleinerziehende, die die Erziehung ihrer Kinder aus irgendeinem Grund nicht leisten können, für Kinder aus Suchtfamilien oder für die Betreuung gefährdeter Jugendlicher. Familien haben einen Rechtsanspruch auf diese Hilfen. Im Bezirk ist die Anzahl dieser gewährten Hilfe bis Juni auf 1940 Fälle gestiegen. Damit hat das Jugendamt jetzt schon mehr Fälle auf dem Tisch als im gesamten Vorjahr. 2013 lag die Fallzahl bei 1844, wobei die Zahlen laufend variieren, weil Hilfen enden und es pro Kind mehrere Hilfen geben kann.

Die Ursachen für die steigenden Fälle sind vielfältig. Reinickendorf hat vergleichsweise günstige Mieten. "Das korreliert mit dem steigenden Zuzug von tendenziell eher sozial belasteten Familien und dem damit einhergehenden innerfamiliären Konfliktpotenzial", sagt Jugendstadtrat Andreas Höhne (SPD). Darüber hinaus ziehen mehr Familien aus Südosteuropa zu, was den HzE-Bedarf ebenfalls erhöhe. Auch aus Flüchtlingsfamilien müssen mehr Kinder betreut werden. Gestiegen sind außerdem die Fälle kostenintensiver Vollzeitpflege. Sie erhöhten sich von 219 im Jahr 2013 auf aktuell 224. Wobei das Jugendamt versucht, die Kinder in Pflegefamilien unterzubringen und nicht stationär in einem Heim.

Da der Kinderschutz eine Pflichtaufgabe ist, kann an den Fallzahlen nicht gespart werden.


Ulrike Kiefert / uk
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