Schüler lösen ihre Konflikte selbst auf dem Spielfeld

In neun Altersklassen, getrennt nach Mädchen und Jungen, waren beim Vorentscheid Streetball-Teams aus mehreren Bezirken aufeinandergetroffen. (Foto: Nittel)

Reinickendorf. Zwölf Teams von fünf Reinickendorfer Schulen haben sich für das Finale der School-Finals-Berlin, dem Streetball-Event der Hauptstadt, qualifiziert. Die Endrunde wird am 3. Juli ab 9 Uhr im Horst-Dohm-Eisstadion in Wilmersdorf ausgetragen.

Beim zweiten von vier Vorentscheiden auf dem Kissingen-Sportplatz in Pankow am 20. Juni bewiesen vor allem die Mädchen von der Romain-Rolland-Oberschule ("Wildcats") und von der Waldorfschule Märkisches Viertel ("Die Tussis"), dass sie mit dem Basketball umgehen können. Die "Wildcats" stellten bei den Mädchen der Jahrgänge 1997/98 das beste Team. "Die Tussis" aus dem Märkischen Viertel waren bei den Mädchen der Jahrgänge 2001/02 nicht zu schlagen. Aber auch Teams von der Schulfarm Insel Scharfenberg, der Bertha-von-Suttner-Oberschule und von der Evangelischen Schule Frohnau erreichten das Finale. In insgesamt neun Altersklassen, getrennt nach Mädchen und Jungen, waren bei diesem Vorentscheid Streetball-Teams aus den Bezirken Prenzlauer Berg, Wedding, Pankow, Lichtenberg und Reinickendorf aufeinandergetroffen.

Doch bei den School-Finals geht es um viel mehr als um das Gewinnen - und das nun schon seit 21 Jahren. Von Beginn an wurden alle Spiele ohne Schiedsrichter ausgetragen. Die Kinder und Jugendlichen müssen sich nach wie vor untereinander einigen. "Wenn ich ehrlich bin, dann hätte ich es nicht für möglich gehalten, dass sich diese Idee durchsetzt und unser Spiel auch ohne Schiris so unglaublich gut funktioniert", sagt Initiator und Organisator Mathias Ramsauer von der Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Wissenschaft, der auch in diesem Jahr bei der Organisation und Durchführung der School-Finals vom Streetball-Team der gemeinnützigen Gesellschaft für Sport und Jugendsozialarbeit unterstützt wird. Wenn Ramsauer in den Anfangsjahren noch häufiger davon sprach, mit solchen sportlichen Angeboten die "Kinder von der Straße zu holen", so sagt er heute gern, dass man sie nun nur noch auf die andere Straßenseite holen müsse.

"Man muss sich doch auch heute einfach nur mal umschauen und sehen, wie friedvoll und fröhlich so viele Kinder und Jugendliche miteinander umgehen."

In all den Jahren hat es aber auch das eine oder andere Scharmützel gegeben. So erinnert sich Ramsauer an einen Reinickendorfer Schüler, der vor ein paar Jahren aus dem Verkehr gezogen werden musste. "Der ist während eines Spiels völlig ausgerastet", erinnert er sich. Doch zufällig und glücklicherweise standen zwei Zivilfahnder am Spielfeldrand und konnten sich umgehend um den jungen Mann kümmern. Für Ramsauer war eine andere Begebenheit aber viel bedeutungsvoller: "Dieser Schüler kam ein Jahr später zu mir, hat sich vorgestellt und für sein Benehmen entschuldigt."

Kurioserweise waren aber häufig nicht die Schüler die bösen Buben. "Die größten Schreihälse waren oft die Lehrer und Betreuer", weiß Ramsauer zu berichten. Auch hierzu gibt es eine verblüffende Erkenntnis: "Meine Erfahrungen sind, dass die Kinder dann sogar irgendwann sagen: Papa, nun halt Dich doch mal bitte raus. Wir wollen hier in Ruhe spielen."


Michael Nittel / min
0
Einstellungen für Weiterempfehlungen
 auf anderen WebseitenSenden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.