Trotz ungewisser Zukunft feierte die Wilhelmsruher Bürgerbibliothek ihren zehnten Geburtstag

Patrick Meinhardt und Arndt Meier vom Vorstand des Vereins „Leben in Wilhelmsruh“ mit der großen Torte, die Feinbäcker Rainer Schwadtke zum Bibliotheksjubiläum spendierte. (Foto: Bernd Wähner)
Berlin: Bibliothek Wilhelmsruh |

Wilhelmsruh. Die Bibliothek Wilhelmsruh hat einen ganz besonderen Charme. Sie befindet sich im historischen Eingangsgebäude zum Industrieareal Bergmann Borsig, dem heutigen Pankow-Park.

Vor zehn Jahren wurde sie in diesem Gebäude in der Hetzstraße 61 eröffnet. Dass es sie heute noch gibt, ist dem ehrenamtlichen Engagement von Wilhelmsruher Bürgern zu verdanken. Weil nicht mehr genug Personal in den Bibliotheken Pankows zur Verfügung stand, hatte die Bezirkspolitik entschieden, die kommunale Bibliothek des Ortsteils zu schließen. Bürger gründeten daraufhin den Verein „Leben in Wilhelmsruh“. Dessen Ziel war es, eine neue Bibliothek aufzubauen und aus eigener Kraft zu betreiben. Bevor es losgehen konnte, wurde das alte Gebäude instand gesetzt.

„Mehr als 200 Freiwillige halfen mit“, erinnert sich Patrick Meinhardt, der Vorsitzende des Vereins. „Was war das für eine Stimmung! Ob nachts im Scheinwerferlicht des THW Pankow oder am Tage mit liebevoller Versorgung aus Kindergärten und Schulen, keiner, der diese Wochen erlebt hat, wird sie vergessen.“ Nach zehn Jahren können die Vereinsmitglieder resümieren: Sie haben ihr zur Eröffnung gegebenes Versprechen eingehalten. Die Bibliothek Wilhelmsruh war seitdem in jeder Woche 21 Stunden geöffnet. Dafür sorgt ein Team von Helfern.

Die ehrenamtlichen Bibliothekare pflegen nicht nur den 22.000 Medieneinheiten umfassenden Bestand und übernehmen die Ausleihe. „Wir haben auch unzählige Veranstaltungen durchgeführt“, so Patrick Meinhardt. Es gab Lesungen, Musikabende, Ausstellungseröffnungen und Kabarett, und die ehrenamtlichen Bibliothekare engagieren sich in der Leseförderung von Kindern.

So wurde aus der Bürgerbibliothek inzwischen ein richtiges Haus der Kultur in einem Ortsteil, der oft als vergessener Teil von Pankow tituliert wird. So stolz die vielen Ehrenamtlichen um Patrick Meinhardt auch auf das Erreichte sind, die Zukunft der Bibliothek ist derzeit absolut ungewiss. Nach Stand der Dinge werden sie keinen 15. Bibliotheksgeburtstag mehr feiern können.

Bereits 2010 bemühte sich der Verein „Leben in Wilhelmsruh“ um den Kauf „seines“ Gebäudes. Doch das gesamte Gelände, auf dem das Haus steht, wurde laut Patrick Meinhardt an die Firma Lemgo verkauft. Diese plane statt der Bibliothek Wohn- und Geschäftsräume. Der Mietvertrag des Vereins läuft nur noch bis 2020. Noch gibt es keine alternativen Räume, in die die Bibliothek dann einziehen könnte. Bisherige Optionen zerschlugen sich. „Kultur braucht Raum. Ohne Raum keine Kultur“, fasst der Vereinsvorsitzende die Situation zusammen. BW

Weitere Informationen gibt es im Internet auf www.leben-in-wilhelmsruh.de.
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