Hier wohnt die Zukunft: das Effizienhaus Plus in der Sophienstraße 35

Vor dem Effizienzhaus Plus (v.l.): Günther Hoffmann vom Bundesbauministerium und Bürgermeisterin Birgit Monteiro zusammen mit einer Hausbewohnerin und den Projektleitern Ferdinand Beetstra und Irina Körholz. (Foto: Wrobel)
Berlin: La Vida Verde |

Rummelsburg. Wie Wohnen aussehen kann, machen 38 Menschen im Weitlingkiez vor. Das Haus der Baugemeinschaft "La Vida Verde" (spanisch für "Das Grüne Leben") in der Sophienstraße 35 setzt Maßstäbe.

Das Ziel der Gemeinschaft: ökologisch bauen und gleichzeitig bezahlbaren Wohnraum schaffen. "Hier kamen die Bauherren bewusst zueinander, um soziale und ökologische Aspekte zu realisieren", sagt Hans-Dieter Hegner. Der Ministerialrat im Bundesumweltministerium begleitet das Vorhaben der Lichtenberger seit dessen Beginn vor einigen Jahren. Die "Forschungsinitiative ZukunftBau" des Ministeriums untersucht das ehrgeizige Projekt auf seine Nachhaltigkeit.

Das Lichtenberger "Energieeffizienhaus Plus" ist eines von 36 in Deutschland existierenden Häusern, in denen die Zukunft wohnt. Das Besondere: Diese Häuser produzieren mehr Energie, als sie verbrauchen.

Möglich wird das dank einer durchdachten Architektur und viel Technik. Ferdinand Beetstra hat das ökologische Konzept für das Gebäude zusammen mit der Architektin Irmina Körholz erarbeitet. Ein Highlight für ihn ist das Pultdach, ein Dach mit nur einer geneigten Fläche, bestückt mit Photovoltaik-Modulen.

Wie das Dach ist die gesamte Architektur des Hauses auf Energiesparen ausgerichtet. In der Fassade fehlen Vorsprünge, Erker oder eingebaute Balkone. So war eine kompakte Dämmung ohne Wärmebrücken möglich.

Die Photovoltaik-Module auf dem Dach liefern Strom und Energie zur Warmwasserbereitung. Das Dusch- und Badewasser wird aufbereitet, Regenwasser aufgefangen und genutzt. Zukünftig soll eine Windkraftanlage im Garten für zusätzlichen Strom sorgen.

"Obwohl wir im Jahresdurchschnitt schon jetzt einen Überschuss produzieren, sind wir im Winter auf den Kauf von herkömmlichen Strom angewiesen", sagt Beetstra. Das liege daran, dass die im Sommer produzierten Überschüsse nur einige Stunden lang gespeichert werden können. Eine bezahlbare und bessere Speichertechnologie sei für sie Zukunftsmusik, so der Experte. Eine andere Möglichkeit, mit den Überschüssen umzugehen sei, den Strom den Nachbarn zur Verfügung zu stellen. "Wir haben bereits Leitungen gelegt, die das möglich machen würden." Hier seien jedoch die rechtlichen Bestimmungen ein Hemmschuh. Denn die Hausgemeinschaft würde formal zu einem "Energieversorger".

Rund 2,8 Millionen Euro kostete der Bau dieses Hauses, das Platz für 18 Wohneinheiten bietet. Seit August 2014 wohnen hier 32 Menschen jeden Alters – vom Kleinkind bis zum Senior. Die Finanzierung ermöglichte das "Mietshäuser Syndikat", eine nicht-kommerzielle Beteiligungsgesellschaft. Zum Konzept gehören private Direktkredite, ein KfW-Kredit für energieeffizientes Bauen und ein Darlehen von der Umweltbank.

Heute ist das Haus der Projektgemeinschaft Vorzeigeobjekt. Denn die Bewohner leben bewusst in Gemeinschaft – es gibt neben zwei WGs, eine Gemeinschaftsküche und einen gemeinsamen Garten. Weitere Infos gibt es unter www.lavidaver.de. KW
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