In Rummelsburg wird jetzt an das Gefängnis erinnert

Günter Toepfer saß wegen "Republikflucht" im Gefängnis. Auf seiner Stele berichtet er von den schlimmen Haftbedingungen in Rummelsburg. (Foto: Kahle)

Rummelsburg. Erzählt wird die Geschichte des größten deutschen Arbeitshauses und des Ost-Berliner Gefängnisses: Am 12. Januar wurde der Gedenkort Rummelsburg eröffnet.

Gestaltet wurde er von Helga Lieser und er ist jenen Menschen gewidmet, die dort in der Zeit von 1879 bis 1990 unter verschiedenen staatlichen Systemen untergebracht waren. Vor dem ehemaligen Verwaltungsgebäude der Haftanstalt an der Hauptstraße 8 wurden drei Metallstelen enthüllt, die an die düstere Geschichte des Orts erinnern. Ihre Höhe entspricht jener der früheren Gefängnismauern.

Die Dauerausstellung im heutigen Wohngebiet spannt den Bogen vom Kaiserreich bis zur Friedlichen Revolution im November 1989. Im Mittelpunkt stehen 18 Biografien ehemaliger Häftlinge und Insassen des Arbeitshauses. Zu DDR-Zeiten befand sich hier das zentrale Männer-Gefängnis von Ost-Berlin. Politische Häftlinge wurden mit anderen Gefangenen zusammengelegt. Geplant war außerdem, Rummelsburg zum zentralen Haftort für Gefangene aus "nichtsozialistischen Staaten" zu machen.

Der stellvertretende Bürgermeister Andreas Prüfer (Die Linke) eröffnete die Ausstellung. Lange habe man das neue Wohnquartier gefeiert, das Gedenken dagegen komme spät, sei aber dringend geboten, sagte er. Er bezeichnete den Gedenkort als weiteren Baustein der Geschichtsaufarbeitung der politischen Erschütterungen des 20. Jahrhunderts.

Stadtentwicklungssenator Andreas Geisel (SPD), der sich in seiner Zeit als Lichtenberger Bürgermeister für den Gedenkort engagiert hat, würdigte insbesondere das Engagement der heutigen Bewohner für die Einrichtung des Gedenkorts. Das sei keine Selbstverständlichkeit.

Zu einem Zwischenfall kam es, als Günter Toepfer, der wegen "Republikflucht" in Rummelsburg einsaß und dem eine Stele gewidmet ist, unaufgefordert das Wort ergriff. Der heutige stellvertretende CDU-Kreisvorsitzende in Lichtenberg bezeichnete es als "Provokation und Verhöhnung der Opfer der DDR-Gewaltherrschaft", dass Andreas Prüfer die Ausstellung eröffnet hatte, da dieser früher Angehöriger des Stasi-Wachregiments gewesen sei.

Entstanden ist der Informations- und Gedenkort auf der Basis der zweijährigen Arbeit eines Runden Tisches und auf der Grundlage neuester Forschungsergebnisse.

Der Bezirks Lichtenberg finanzierte das Projekt mit 100.000 Euro. Der Senat stellte 150.000 Euro aus dem "Mauerfonds" der Bundesregierung zur Verfügung.


Michael Kahle / m.k.
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