Gestaltungskonzept für den Gedenkort Rummelsburg steht

Drei Stelen sollen an die drei Epochen der Rummelsburger Arbeitshäuser erinnern. (Foto: Bezirksamt Lichtenberg)

Rummelsburg. Heute sind die roten Backsteinhäuser des Architekten Hermann Blankenstein ein beliebter Familienwohnort. Doch das war einmal ganz anders. Früher wurden Menschen dort gegen ihren Willen festgehalten. An die über 100-jährige Geschichte der Rummelsburger Arbeitshäuser soll nun ein Gedenkpfad erinnern.

Lange Zeit suchte der Runde Tisch zum Gedenkort Rummelsburger Bucht, an dem Vertreter von Opfergruppen ebenso sitzen wie Historiker und Anwohner, die richtige Form des Gedenkens für den historischen Ort. Nun steht sie fest.

Helga Lieser, Peter Francis Lewis und Jens Henningsen entwickelten den Gewinnerentwurf, der bis Ende des Jahres verwirklich werden soll. Nicht ein einzelner Gedenkort, sondern ein mit Säulen und Tafeln gesäumter Pfad soll sich von der Hauptstraße über die Mittelpromenade des BerlinCampus bis zum Ufer des Rummelsburger Sees erstrecken. Mittelpunkt des Gedenkpfades wird eine Installation mit fünf Meter hohen Säulen, die in Text und Bild über den historischen Ort informiert. Die unterschiedliche Beschaffenheit der drei Stelen aus Cortenstahl, poliertem Edelstahl und grau lackiertem Stahl soll die jeweils historische Epoche symbolisieren. Entlang der Promenade werden auf Tafeln Biografien und Zitate von Zeitzeugen zu lesen sein. "Der Siegerentwurf überzeugte die Jury durch seine Klarheit und Struktur", sagt Bürgermeister Andreas Geisel (SPD). Ziel der Gestaltung war es, ein würdiges Gedenken an die Opfer zu ermöglichen - an einem allgemein verständlichen Gedenkort, der sich dennoch ins heutige Familienwohnviertel einfügt.

Im Jahr 2007 wurde ein Großteil der ehemaligen Gefängnisgebäude an der Rummelsburger Bucht zu Wohnhäusern umgebaut. Es waren die Anwohner selbst, die die Notwendigkeit erkannten, an die Geschichte des Ortes zu erinnern. Sie setzten sich beim Bezirk und dem Land Berlin für die Einrichtung eines Gedenkortes ein. Die Grundlagen für den jetzt beendeten Gestaltungswettbewerb schufen Beschlüsse der Lichtenberger Bezirksverordnetenversammlung.

Nach ihrer Errichtung im Jahr 1877 dienten die Rummelsburger Arbeitshäuser noch bis 1990 der Unterdrückung und Bestrafung. In der Kaiserzeit als polizeiliche Arbeitserziehungsanstalten genutzt, waren sie im Nationalsozialismus Gefängnis und Zuchthaus. Viele Insassen wurden später exekutiert. Zwischen den Jahren 1951 und 1990 nutzte die DDR die Häuser als Strafvollzugsanstalt, in der politische und kriminelle Strafgefangene inhaftiert wurden. Auch Erich Honecker verbrachte als Untersuchungshäftling eine Nacht in der Rummelsburger Anstalt, das war im Januar 1990. Ende desselben Jahres wurde die Strafvollzugsanstalt aufgelöst.

Die zehn zur Teilnahme eingeladenen Wettbewerbsbeiträge zum "Gedenkort Rummelsburg" sind noch bis zum 2. Juli öffentlich in der Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen in der Gensler Straße 66 zu sehen: werktags von 9 bis 18 Uhr.

Karolina Wrobel / KW
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