Kasi, Christian, Lars und ihre besondere Oldtimer-Werkstatt

Kasi, Christian und Lars (von links) und der Jaguar, in dem die gelben und roten Karten beim Fußball erfunden wurden. (Foto: Frey)

Rummelsburg. Nur einige Schritte vom Ostkreuz entfernt geht es in einen Hinterhof. Dort fallen als erstes die zahlreichen Autos älterer Bauart auf. Weitere Fahrzeuge stehen in der Halle, ebenso mehrere Motorräder. Aber auch ein funktionstüchtiger einarmiger Bandit aus dem Jahr 1933.

Willkommen in der Welt von Tobias "Kasi" Kasimirowicz (37), Lars Türpe (39) und Christian Schmidt (31). Zusammen betreiben sie die Werkstatt "Spurenwechsel" und haben sich auf das Aufspüren und Reparieren technischer Raritäten spezialisiert. In der Hauptsache handelt es sich dabei um Oldtimer. Aber auch andere Gebrauchsgegenstände mit längst abgelaufenem Verfallsdatum werden hier wieder funktionstüchtig gemacht. Ab 29. Juli wird das Trio zu Hauptdarstellern einer sechsteiligen Fernsehserie. Sie läuft im History Channel, Teil des Bezahlsenders Sky und hat den Titel "Rost’n’ Roll". Geschichten rund um die besonderen Autoschrauber und ihre Schätze.

Da geht es dann zum Beispiel um den Jaguar, Baujahr 1961, der im Hof steht. Schon die Marke findet sich nicht an jeder Ecke. Dieses Exemplar hat aber darüber hinaus eine historische Bedeutung. Zumindest für den Fußball. Der Wagen gehörte einst dem englischen Schiedsrichter Ken Aston. Er hatte 1966 während einer Fahrt die Idee, Verwarnungen und Platzverweise künftig in Form von gelben und roten Karten auszudrücken. Der Einfall kam ihm, als er an einer roten Ampel anhalten musste.

Ausgangspunkt waren die Ereignisse bei der Weltmeisterschaft 1966 in England. Beim Viertelfinalspiel des Gastgebers gegen Argentinien schickte der deutsche Schiedsrichter Kreitlein einen argentinischen Spieler Rattin vom Feld. Der hatte aber die Aufforderung anscheinend nicht verstanden oder wollte sie nicht verstehen. Es kam zu Tumulten. Dank Astons Inspiration im Jaguar passierte ähnliches später nicht mehr.

Anders als die britische Nobelmarke, die in der Werkstatt nur auf Vordermann gebracht wird, gehören andere Oldtimer zum eigenen Fuhrpark der Rost’n’ Roller. Das wertvollste Objekt von Lars ist beispielsweise ein Peugeot Quadrilette von 1922. Erstanden hat er das legendäre französische Massenfahrzeug als besseren Schrotthaufen. Mit einigem Geld, noch mehr Arbeitsstunden und viel Herzblut brachten die drei die historische Kiste wieder auf Vordermann. Dabei hatten sie ein fixes Datum im Kopf. Zur sogenannten Race 61 Oldtimerrallye im Juni in Finowfurt sollte die Quadrilette an den Start gehen. Und sich dort vor allem mit Kasis Austin, Baujahr 1931 messen. Der Peugeot wurde nicht nur rechtzeitig flott, sondern kam beim Rennen auch vor dem Auto des Kumpels ins Ziel.

Aber woher kommt die Faszination für alte Autos? Es sei einfach etwas besonderes, an so einem Exemplar herumzubasteln, eine Herausforderung, jeden noch so alten fahrbaren Untersatz wieder in Rollen zu bringen, so die Antwort. "Was einmal gelaufen ist, wird es wieder tun", beschreibt Lars die gemeinsame Devise. Die gilt nicht nur für Autos, sondern für so ziemlich alle technischen Geräte. Auf diese Weise konservieren sie gleichzeitig die Vergangenheit.

Was wiederum den Sprung zum History Channel nachvollziehbar macht. Der Sender war lange auf der Suche nach Protagonisten für ein Format, das Alltagsgeschichte lebendig werden lässt. Erst dieses Trio erfüllte die Vorstellungen.

Wobei vor allem Kasi vor der Kamera kein unbeschriebenes Blatt ist. Sein Hauptberuf ist Schauspieler und er war unter seinem vollständigem Namen bereits in zahlreichen Kino- und Fernsehproduktionen zu sehen. Vom Baader-Meinhof-Komplex bis Beate Uhse. In Rost’n’Roll müssen aber weder er noch die beiden anderen eine andere Rolle annehmen, sondern nur sich selbst spielen.

Die Serie läuft ab 29.Juli jeden Montag um 21.05 Uhr auf History Channel. Jede Folge dauert eine halbe Stunde.


Thomas Frey / tf
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