Zwischennutzung gefordert: Stadtrat Nünthel sagt Nein

Die Gaswerksiedlung wurde 1925 bis 1926 von Ernst Engelmann und Emil Fangmeyer errichtet. (Foto: KEN)
 
In einem Bereich der Siedlung ist ein Vattenfall-Besucherzentrum untergebracht. (Foto: KEN)

Rummelsburg. Eine vierspurige Verkehrstangente, Tram-Gleise, ein Baustofflager, eine Brache, eine Tankstelle und im Rücken das Heizkraftwerk Klingenberg: Die denkmalgeschützte Gaswerksiedlung an der Köpenicker Chaussee passt nicht so recht ins Gewerbegebiet. Dass dort nicht mehr gewohnt werden soll, haben Bezirksamt und Eigentümer Vattenfall längst beschlossen. Die Linke aber will die Siedlung "befristet für Wohnen reaktivieren".

"Dem Bürgermeister ist preiswerter Wohnraum offenbar egal", wettert Michael Grunst. Der haushaltspolitische Sprecher der Linksfraktion in der Bezirksverordnetenversammlung (BVV) sieht Andreas Geisel in der Pflicht. In Berlin und im Bezirk fehlten preiswerte Wohnungen und Plätze für studentisches Wohnen. "Der Bezirk ist gehalten, alles Mögliche zu unternehmen, um preiswertes Wohnen im Bezirk auch zukünftig zu sichern", sagt Grunst. Warum also nicht in der Gaswerksiedlung?

Bis zum Baubeginn des geplanten neuen Kraftwerks, der sich verzögert, könnte der Komplex zwischengenutzt werden, etwa für studentisches Wohnen, meint Michael Grunst. Im zuständigen Fachausschuss der BVV steht das Thema auf Antrag der Partei Die Linke jetzt wieder auf der Tagesordnung.

Die Linksfraktion treibt die Gaswerksiedlung schon seit 2010 um. Damals hatte der frühere Baustadtrat und heutige Bezirksbürgermeister Andreas Geisel (SPD) mitgeteilt, dass er die Siedlung als Wohnstandort nicht empfehlen kann. Im November 2012 brachte die Linkspartei einen Antrag ein, den Komplex an der Köpenicker Chaussee fürs Wohnen zwischenzunutzen und ein Konzept vorzulegen, wie es mit dem denkmalgeschützten Ensemble weitergehen soll. Antwort vom Bezirksamt erhielt Michael Grunst erst vor kurzem: Man werde nichts unternehmen.

Der Gebäudekomplex der denkmalgeschützten Gaswerksiedlung, der Vattenfall gehört, soll nur noch gewerblich genutzt werden, sagt Stadtentwicklungsstadtrat Wilfried Nünthel (CDU). Dementsprechend werde der Bebauungsplan festgesetzt. Das Gebiet sei ausschließlich von Gewerbe geprägt und die Köpenicker Chaussee lärm- und abgasbelastet, argumentiert der Stadtrat.

Für die verbliebenen acht von einst 105 Mietparteien werde ein Sozialplan erstellt, um Nachteile für die Bewohner zu vermeiden oder zu mildern. Vattenfall habe sich verpflichtet, entstehende Umzugskosten in einem berlinüblichen Umfang zu übernehmen, erklärt die Pressesprecherin des Energiekonzerns, Julia Klausch.

Vattenfall plant Büros in den einzelnen Gebäuden an der Köpenicker Chaussee 27-39 und Räume für kulturelle und soziale Ereignisse in der Köpenicker Chaussee 24. Ein Besucherzentrum für den Kraftwerksstandort Klingenberg sowie Veranstaltungs-, Seminar- und Besprechungsräume gibt es bereits an der Köpenicker Chaussee 23, Ecke Blockdammweg 1.

"Die denkmalgeschützte Gaswerksiedlung wird von uns Instand gehalten", sagt Julia Klausch. Vattenfall hat sie 2006 und 2007 von der GSW und privaten Eigentümern übernommen. Für die Gebäude sei ein Verwalter eingesetzt. Mängel, die Mieter melden, Wartungen und Instandsetzungen an Heizungen und Öfen würden "zeitnah" vorgenommen, so Klausch weiter. "Auch die Grünflächen werden gepflegt. Allen Arbeiten und Planungen liegt ein mit dem Denkmalamt abgestimmtes fachliches Gutachten zugrunde."


Karen Noetzel / KEN
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