Einwohnerversammlung zum Biergarten Ponte Rosa übt die Interpretation

Berlin: Kurhaus Ponte Rosa Berlin |

Schöneberg. Wohnblocks statt Biergarten? Was BV-Vorsteher Stefan Böltes (SPD) als Überschrift für seine Einwohnerversammlung wählt, ist in Schöneberg Nord der Aufreger des ausklingenden Sommers.

Doch weil eine Einwohnerversammlung nicht mehr als eine Info-Veranstaltung ist, werden überwiegend baurechtliche und politische Positionen über das Projekt einer Eigentümergemeinschaft ausgetauscht, anstelle des Biergartens Ponte Rosa in der Kreuzbergstraße drei Wohnhäuser zu errichten. Das Schöneberger Kiezpalaver, eine lose Gruppe, die über „Privatisierung, Spekulation, Verdrängung und Zerstörung von Stadtnatur“ nicht nur debattiert, hat Protestzettel an Haustüren geklebt und jetzt die Einwohnerversammlung erwirkt.

Architekt Thomas Brakel spricht von zehn Bäumen, die gefällt werden müssen, darunter 60 Jahre alte Robinien. Ansonsten wolle man soviel Grün wie möglich erhalten.

Zum Biergarten sagt der Sprecher der Eigentümergemeinschaft, Jörg Weißenborn, er habe sich wirtschaftlich schon lange nicht mehr rentiert. Die letzte Pächterin habe 2015 gekündigt. Die neue Stadtplanungsamtsleiterin Ina Carrasco sagt, das geltende Recht erlaube eine Bebauung an dieser Stelle. Das Projekt „passt in die Ecke hinein“, meint Andreas Baldow, Gruppenleiter im Stadtplanungsamt. So sieht es auch die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen.

„Hier findet keine klassische Gentrifizierung statt“, ergänzt Baustadtrat Jörn Oltmann (Grüne). Regine Wosnitza, Sprecherin des Kiezpalavers, äußert: „Ich will bezahlbaren Wohnraum. Was hier gebaut wird, ist hochpreisiger Wohnungsbau.“

„Kernproblem“ sei, so Tilmann Heuser, Berliner BUND-Geschäftsführer, die Neigung in Berlin, mit dem Paragraphen 34 des Baugesetzbuches „recht großzügig umzugehen“. Der Bauantrag im vorliegenden Fall wird danach bearbeitet.

Anders als Paragraph 35 schließt der 34er eine Beteiligung von Bürgern und Verbänden aus. Für einen Kiezpalaverer wie Quartiersrat Matthias Bauer ein Unding. Der 35er müsse angewandt werden – mit Bebauungsplan und Bürgerbeteiligung. „Das Ortsbild wird durch die Bebauung radikal verändert“, so Bauer. KEN
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