Gleditschstraße: Die Geister scheiden sich an neuen Fenstern und Dämmung

Schöneberg. Mieterhöhungen bis zu 40 Prozent und ebenso viele Mieter, die diesen Preisaufschlag nicht werden bezahlen können: Ist die Gleditschstraße 49-69 das nächste Beispiel für Gentrifizierung in Schöneberg?

Der Investor plant für die 117 Wohnungen mit rund 250 Mietern den Einbau dreifachverglaster Fenster, Fassadendämmung, neue Balkone und Fahrstühle. Anlass sind die Vorgaben der Energieeinsparverordnung (EnEV). Die Mieter hätten nur durch eigene Recherchen von den teuren Plänen erfahren, erläutert Sabine Voss, Sprecherin der Mietergemeinschaft. "Über die auf uns zukommenden Betriebskosten gibt es nur Schätzwerte. Ebenso über die Heizkostenersparnis durch die Dämmung. Wir und unsere Berater halten sie für geschönt." Voss rechnet am Beispiel einer 70-Quadratmeter-Wohnung vor: 137 bis 225 Euro mehr Miete, abhängig davon, ob Mieter, die bisher keinen Balkon hatten, einen wollen oder nicht.

Die Mietergemeinschaft hat mithilfe eines Bauphysikers zahlreiche Fehler und Ungereimtheiten im Bauantrag gefunden. Das Bezirksamt aber wird dem Bauvorhaben zustimmen. Grundlage sind freilich nur eigene Angaben des Investors. Die Einwände der Mieter hätten keine Bedeutung hinsichtlich des Milieuschutzes, sagt Stadtentwicklungsstadträtin Sibyll Klotz (Grüne), und seien daher kein Grund für eine Ablehnung. Die Mieterhöhung wäre noch höher ausgefallen, hätte der Bezirk mit dem Investor keinen Kompromiss ausgehandelt, argumentiert Klotz. Die Gleditschstraße ist Milieuschutzgebiet.

Dem Investor seien nur kleinere Zugeständnisse abgerungen worden, kritisieren die Mieter. "Sozial verträglich wäre es gewesen, jede Mitpartei als Einzelfall zu prüfen", sagt Voss. "So würde sichergestellt, dass jeder Mieter nur so viel mehr zahlen müsste, wie es sein Einkommen zulässt." Der Bauherr hat das abgelehnt.

Der Bezirk müsse abwägen zwischen EnEv und sozialer Erhaltungsverordnung, sagt Klotz. "Ein Großteil der Kosten von Energiesparmaßnahmen müssen nach geltendem Recht vom Mieter getragen werden." Soziale Erhaltungsverordnungen seien keine Mietpreisbremse für den Einzelfall und sollen auch nicht den zeitgemäßen Ausstattungszustand des Wohnungsbestands verhindern.


Karen Noetzel / KEN
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