Lichtenrader Schüler gewannen Besteigung des Rathausturms

Nichts für Leute, die nicht schwindelfrei sind: Über eine freistehende Eisentreppe geht es im Rathausturm hinauf zur Freiheitsglocke. (Foto: KEN)

Schöneberg. Die Schüler der Annedore-Leber-Grundschule in Lichtenrade hatten mehr Glück als Bischöfe aus Südamerika.

Am 3. Mai wollte Steglitz-Zehlendorfs Bürgermeister mit einer Delegation geistlicher Würdenträger den Schöneberger Rathausturm besteigen. Norbert Kopps Bitte wurde abschlägig beschieden. Noch in diesem Monat beginnen die Sanierungsarbeiten im Rathaus. Eine Besteigung ist deshalb in den kommenden drei Jahren nicht möglich.

Wer aber das Privileg hatte, den etwa 80 Meter hohen Glockenturm mit der Berliner Fahne noch zu erklimmen und der mächtigen, zehn Tonnen schweren Freiheitsglocke ganz nahe zu sein, das waren vier Klassen der Annedore-Leber-Grundschule in Lichtenrade.

Das kam nicht von ungefähr. Die Schüler haben dafür auch etwas getan. Gemeinsam mit weiteren 27 Klassen aus elf Grundschulen im Bezirk hatten sie sich sozusagen in viereinhalb Monaten auf den Rathausturm gelesen. In der Leseaktion "Wir wollen rauf! Wir lesen uns auf den Rathausturm" der Stadtbibliothek wurden insgesamt 766 Pisa erreicht, umgerechnet 76,60 Meter. Damit überragt der Bücherturm der Schulen den Rathausturm ohne Fahnenstange um 6,60 Meter. Zu gewinnen gab es viele Preise, darunter eine Turmbesteigung am 15. April.

Unter den Gewinnern der Turmbesteigung war die Klasse 6c. Um 11 Uhr versammelten sich die 24 Jungen und Mädchen vor dem Rathaus, um anschließend die Historikerin Silke Struck mit Fragen zu bestürmen. Silke Struck von "Frag doch. Verein für Begegnung und Erinnerung", die von Schulstadträtin Jutta Kaddatz (CDU) begleitet wurde, erzählte dann nicht nur vom Turm, sondern auch von der Geschichte des 101 Jahre alten Verwaltungsgebäudes und vielen interessanten Details und Kuriositäten: von den Darstellungen aus dem Alltagsleben an der Fassade, von den einst 500 Zimmern im Rathaus, von der Nachbildung der Meilensäule, die ab 1790 auf dem Innsbrucker Platz an der damaligen Reichsstraße von Königsberg nach Aachen die Strecke nach Berlin angab, eine preußische Meile, sieben Kilometer; vom Ziffernblatt der Rathausuhren, die einen Durchmesser von fünf Metern haben, von Rosinenbombern und der Verwaltungsbibliothek.

Die Leseaktion wird im kommenden Schuljahr fortgesetzt. Dafür muss Stadträtin Kaddatz ein anderes, in Höhe oder Länge markantes Gebäude im Bezirk finden. Sie denkt an den Gasometer, das Ullsteinhaus, das Flughafengebäude Tempelhof oder an eine Kirche. Die Annedore-Leber-Grundschule hat sich noch ein anderes Ziel gesetzt. Noch in diesem Schuljahr wollen die 370 Schüler allein die Rathausturmhöhe erlesen.


Karen Noetzel / KEN
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