Untersuchung zur Schulreife: Die Zahl der Rückstellungen steigt

Auch gutes Sehen gehört zur Schultauglichkeit. (Foto: ang)

Tempelhof-Schöneberg. Immer mehr Kinder im Bezirk werden später eingeschult. Das zeigen die neuesten Zahlen des Kinder- und Jugendgesundheitsdiensts (KJGD).

Für das Schuljahr 2014/2015 haben die Schulärzte gut 3100 Kinder untersucht. 18,1 Prozent des schulpflichtigen Jahrgangs wurde zurückgestellt. Für das vorangegangene Schuljahr waren es noch 15 Prozent gewesen.

Die Zahl der Kinder im Bezirk, deren Schuleintritt um ein Jahr verschoben wird, nehme zu, so Sozial- und Gesundheitsstadträtin Sibyll Klotz (Bündnis 90/Grüne). Die von den Eltern diesbezüglich gestellten Anträge hat der KJGD nur in 20 Fällen abgelehnt. Für insgesamt 514 Kinder wurden Anträge eingereicht.

Die Erhebungen der KJGD-Experten ergaben, dass die 2014 zurückgestellten Kinder "etwas häufiger" männlich sind, aus der unteren sozialen Schicht und aus Haushalten Alleinerziehender kommen oder schlecht Deutsch sprechen. Auch hatten sie weniger als zwei Jahre eine Kita besucht. "Gerade diese Kinder würden aber voraussichtlich von einer längeren und früheren Kitaförderung profitieren", meint Stadträtin Klotz.

Da aber beißt sich die Katze in den Schwanz. Die steigende Zahl zurückgestellter Kinde führt dazu, dass entsprechend mehr Kita-Plätze im Vorschulbereich in Anspruch genommen werden. Hie und da kann es dadurch zu Platzmangel kommen. Unter Umständen in Mariendorf, Marienfelde und Lichtenrade, wo 2013 am häufigsten Rückstellungsanträge gestellt wurden. Der höchste Anteil lag vor zwei Jahren in Mariendorf. Jedes fünfte Kind sollte dort später eingeschult werden.

Eine gute Nachricht enthalten die aktuellen Zahlen aber auch: Die Kinder im Bezirk sind insgesamt gesund. Nur der Anteil von Kindern mit Sprachdefiziten ist Stadträtin Klotz mit 20 Prozent zu hoch. Die Sprachförderung in den Kitas müsse daher besser werden, ebenso die Integration von Familien, die zu Hause kein Deutsch sprechen.

Möglichst zeitig vor dem Schuljahresbeginn will Sibyll Klotz Tempelhof-Schönebergs Kinder künftig untersuchen lassen, damit eventuelle Fördermaßnahmen oder Therapien noch greifen. Dafür benötigt der Kinder- und Jugendgesundheitsdienst ausreichend Personal. Seine Aufgaben haben zugenommen, nicht zuletzt durch die steigende Zahl von Asylbewerberkindern und Kindern, für die ein Antrag auf Rückstellung bei der Einschulung gestellt wird.


Karen Noetzel / KEN
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