Aber die Fraktionen streiten über die Finanzierung der Koordinierungsstelle

Tempelhof-Schöneberg. Alle sind sich einig: Die Gedenkkultur genießt einen hohen Stellenwert im Bezirk - und damit auch die Koordinierungsstelle für die Stolperstein-Verlegung. Trotzdem streiten die Bezirksverordneten ganz trefflich über deren künftige Finanzierung.

Zur Erinnerung: Bisher hat die EU die Koordinierungsstelle finanziert. Seit 2007 war die Kunsthistorikerin und Germanistin Hannelore Emmerich Tempelhof-Schönebergs Stolperstein-Koordinatorin. Einen maßgeblichen Beitrag zum Stolpersteinprojekt im Bezirk leisten Ehrenamtliche wie etwa die Stolperstein-Initiative Stierstraße aus Friedenau oder der Verein "Stolpersteine an der B 96". Gregor Mann von der Initiative Stierstraße spricht von einem "ganz komplexen Arbeitsfeld mit ganz vielen Aktivitäten".

Bis Jahresende wird Tempelhof-Schöneberg mit mehr als hundert Stolpersteinen an die Nazi-Opfer im Bezirk erinnern. Weitere Hundert der kleinen Bodendenkmäler werden 2015 dazu kommen. Ohne professionele Unterstützung aus der Verwaltung geht das nicht.

Auf die Frage, wie das finanziert werden könnte, haben Bezirksbürgermeisterin Angelika Schöttler (SPD) und Kulturstadträtin Jutta Kaddatz (CDU) noch immer keine Antwort. Rot-Grün wirft der Kulturdezernentin daher Untätigkeit vor. Grünen-Fraktionschef Jörn Oltmann: "Es reicht nicht aus, den Kulturstaatssekretär zu fragen, ob er die Koordinierungsstelle finanzieren will."

Die CDU-Fraktion hat gefordert, "eine zusätzliche Stelle im Amt für Weiterbildung und Kultur anzusiedeln". Bürgermeisterin Schöttler hält dagegen: "Das Geld für die Stelle liegt nicht in der Schublade." Es müsse dafür an anderer Stelle gespart werden.

Im jüngsten Hauptausschuss hat Rot-Grün einen Ersetzungsantrag eingebracht: eine zusätzliche halbe Stelle im Kulturamt für die Stolpersteinkoordinierung. Zuvor soll aber das Bezirksamt beim Jobcenter und beim Beförderungsdienst der Bundeswehr prüfen, welche Fördermöglichkeiten in Frage kommen, um diese halbe Stelle zu refinanzieren.

"Besser als nichts", sagt der CDU-Verordnete Matthias Steuckardt. Den Stau bei der Verlegung von Stolpersteinen werde man so aber nicht abarbeiten. Die Christdemokraten fordern, dass wegen des "besonderen Förderbedarfs des Stolpersteinprojekts" die Finanzierung der Koordinierungsstelle auch von anderen Fachbereichen im Bezirksamt getragen wird.


Karen Noetzel / KEN
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