Der Maler Max Beckmann und Schöneberg

1911 blickte Max Beckmann auf den Nollendorfplatz. (Foto: Stiftung Stadtmuseum Berlin)

Schöneberg. Manchmal muss man nach Kreuzberg, um Interessantes über Schöneberg zu erfahren. Die eben zu Ende gegangene Ausstellung „Max Beckmann und Berlin“ in der Berlinische Galerie hat gezeigt, wie eng der Maler mit der Gegend um den Nollendorfplatz verbunden war.

Erst 20 Jahre jung zog der gebürtige Leipziger 1904 in die Stadt an der Spree. Sie hatte sich zum bedeutendsten Kunstzentrums der Moderne in Deutschland entwickelt. „Du solltest wirklich nach Berlin kommen. Ich bin nun schon ein ganzes Jahr dort un[d] werde wahrscheinlich auch noch lange dort seien, denn es gefällt mir ausgezeichnet“, schrieb der junge Max Beckmann an einen Freund.

In Paris, wo er zuvor ein halbes Jahr lang die französische Avantgard studiert hatte, hatte der junge Künstler nicht das gefunden, was er suchte, sehr wohl aber in Berlin: „Etwas Rauschendes Üppiges wie Seide, die man auseinanderblättert und wildes grausames prachtvolles Leben“.

Max Beckmann bezog ein Atelier in der Eisenacher Straße 103. Das Amüsierviertel des neuen Berliner Westens lag vor der Tür; dort, wo man „lustige Nächte ohne Zweck und Ziel“ verbringen konnte, so ein Zeitgenosse, und wo die Nacht zum Tag wurde.

Rund um den Nollendorfplatz hatten sich Theater, Kinos, Tanzlokale, Bordelle und Homosexuellen-Bars etabliert. Am bekanntesten war das „Eldorado“ in der Motzstraße, das „Paradies der Herren“, das „den arglosen Bürger, wenn er es wäre, in die Klauen des Lasters locken, wenn er verlockt werden müsste“, wie Stephan Ehrenzweig später in seinem Tagebuch vermerkte.

In den frühen Schaffensjahren stellt Max Beckmann häufig seine nähere Umgebung dar. Es genügte der „Blick aus dem Atelier Eisenacher Straße 103“, wie der Künstler ihn 1905 auf Leinwand bannte. Das Gemälde befindet sich heute in der Bremer Kunsthalle. Was sieht der Maler? Auf einer großen Brache, die noch sehr ländlich anmutet, entsteht ein großes Haus. Beckmann hält die Arbeit der Maurer und Poliere fest. Schon damals stieg die Einwohnerzahl Berlins ständig. Es musste Wohnraum geschaffen werden.

Wenn es Max Beckmann ruhiger haben wollte, ging er in den heutigen Kleistpark. In „Alter Botanischer Garten“ von 1905 ist die Stadtlandschaft pure Idylle. Beckmann malte sie ganz im Stil Paul Cézannes, den er sehr schätzte.

1910 bis 1914 lebte er mit seiner ersten Frau Minna Beckmann-Tube in einem Atelierhaus in Hermsdorf. Weil es sich in der kalten Jahreszeit nicht ausreichend beheizen ließ, kehrte das Paar in den Wintermonaten nach Schöneberg zurück, an den Nollendorfplatz 6.

In dieser Zeit entstand „Blick auf den Nollendorfplatz“ (1911). Ausschnitthaft blickt der Künstler aus seinem Atelierfenster auf den nordwestlichen Teil des Platzes. Mit schnellem Pinselstrich malte er in impressionistischer Manier unbelaubte Bäume, Gebäudemassen und im Vordergrund den U-Bahnhof. Menschen sind nur vereinzelt in den Straßen unterwegs. KEN
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