Die Frauen auf dem Friedhof

Die sehenswerte Friedhofskapelle auf dem Alten St. Matthäus-Kirchhof. (Foto: KEN)
 
Der prunkvolle Eingang zum Friedhof an der Großgörschenstraße. Fotos: KEN (Foto: KEN)
Berlin: Alter Matthäus-Kirchhof |

Schöneberg. Doch – ein Friedhof kann eine sehr lebendige Angelegenheit sein. Die evangelische Zwölf-Apostel-Kirchengemeinde macht es vor: Ihr Alter St. Matthäus-Kirchhof besteht seit 160 Jahren und feiert ausgiebig und einfallsreich.

Die zentrale Feier wird am 4. September 14 Uhr stattfinden, organisiert vom Förderverein „Efeu“, mit einem interessanten Kulturprogramm und mit Führungen. Wie das Café finovo, Berlins einziges ehrenamtlich geführtes Friedhofscafé, das zu denselben Zeiten wie der Friedhof geöffnet hat, begeht auch der Verein Efeu 2016 ein Jubiläum. Er wirkt seit zehn Jahren mit außergewöhnlichen Projekten wie den „Patenschaftsgräbern“, um historische Grabanlagen erhalten zu können. „Jedes Jahr vergibt er 20 Patenschaften“, sagt Kirchengemeinde-Sprecher Bertram von Boxberg. Der Friedhof in Schöneberg sei etwas Besonderes. Von seiner ursprünglichen Gemeinde im Tiergartenviertel, einst Geheimratsviertel genannt, gibt es aus der Matthäikirche auf dem Kulturforum keine Spuren mehr. Der Kirchhof an der Großgörschenstraße spiegelt allein die damalige Zeit und Geistesgeschichte wider.

Ziemlich einmalig in Berlin ist auch der vom Verein initiierte und fortgeführte „Garten der Sternenkinder“ für still- oder fehlgeborene Kinder und Kleinkinder.

Lautete das Motto zum 150. Geburtstag des Kirchhofs „Der Friedhof lebt“, heißt es diesmal „Die Frauen auf dem Kirchhof“. Sie stehen im Fokus der meisten Jubiläumsveranstaltungen. „Frauen verschwinden vom Friedhof früher als Männer“, weiß Bertram von Boxberg, der am Programm mitgewirkt hat. So wird Traude Bührmann am 22. Mai 15 Uhr im Café finovo mit musikalischer Begleitung Geschichten zum Abschied erzählen: „Sie ist gegangen“. Zu „verschwundenen Gräbern“ von Frauen auf dem Kirchhof führt am 12. Juni 15 Uhr Claudia von Gélieu. Um das „Anbohren des Männerkults“ geht es bei „Die Frauen der Brüder Grimm“. Auguste Grimm, Tochter von Wilhelm Grimm, wurde im Grab ihres Vaters beigesetzt, einen Grabstein erhielt sie nicht. Das soll am 26. Juni um 14 Uhr nachgeholt werden. Anschließend hält Agnes Barbara Kirst einen erhellenden Vortrag in der Kapelle.

Warum eine so bedeutende Frauenpersönlichkeit wie Frieda von Lipperheide (1840-1896), Herausgeberin des berühmten Magazins „Modewelt“, zwar neben ihrem Ehemann Franz Joseph bestattet wurde, aber keiner Erwähnung wert war, können vielleicht Sibylle Nägele und Joy Markert am 10. Juli erklären. Eine heitere Note trotz ernstem Thema verspricht die szenisch-musikalische Trauerfeier „Es war die Mutter“ mit Susanne Jung und anderen über den kleinen Unterschied auch nach dem (Ab-)Leben am 9. Oktober in der Kapelle.

Davor und danach gibt es noch weitere spannende Veranstaltungen. Die Kirchengemeinde konnte Schönebergs prominente Kiezbewohnerin Iris Berben für eine Lesung von Texten der herausragenden Frauenrechtlerin, Pazifistin und Schriftstellerin Hedwig Dohm (1831-1919) gewinnen. Der Termin wird noch bekanntgegeben. Bei allen Veranstaltungen ist der Eintritt frei. KEN

Eine komplette Übersicht findet sich unter www.zwoelf-apostel-berlin.de.
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