Klanginstallation zu Ehren Siegfried Translateurs?

An der Stelle des heutigen "Sozialpalastes" stand einst der legendäre Sportpalast. (Foto: KEN)
Berlin: Pallasseum |

Schöneberg. Wie kann man an den Komponisten des Sportpalast-Walzers, Siegfried Translateur, richtig erinnern? Bezirksverordnetenversammlung und Bezirksamt werden sich auch in der neuen Wahlperiode damit auseinandersetzen müssen.

Siegfried Translateur wurde ins Konzentrationslager Theresianstadt deportiert, wo er 68-jährig am 1. März 1944 starb. Nach dem Kapellmeister eines eigenen Orchesters und Gründer des Musikverlags „Lyra“ sollte der Pallas-Park benannt werden.

Das war zumindest der Wunsch der CDU-Fraktion und ihres damaligen kulturpolitischen Sprechers und heutigen Fraktionschefs, Matthias Steuckardt. Die rot-grüne Zählgemeinschaft entschied sich jedoch für eine Benennung nach dem jüdischen Mädchen Lilli Flora Borchardt, das in der Pallasstraße 12 lebte. Die Nazis brachten sie und ihre ganze Familie um.

Um aber nicht in den Ruch zu kommen, ein jüdisches Opfer gegen ein anderes ausgespielt zu haben, sollte nach einem weiteren, von Rot-Grün eingebrachten und beschlossenen Antrag über eine „plastische Klang-Installation“ in Erinnerung an Siegfried Translateur nachgedacht werden. Die Installation, die auf Knopfdruck die vier Töne des Walzers pfeift, soll ihren Platz im Gehwegbereich von Potsdamer Straße und Pallasstraße finden und im Rahmen eines künstlerischen Wettbewerbs entwickelt und finanziert werden.

Der Vorschlag wurde von der bezirklichen Kunstkommission diskutiert. Sie würdigte die Idee, kritisierte aber die von der Politik bereits formulierte künstlerische Ausgestaltung und empfahl, den Kunstwettbewerb offen zu formulieren und alle Möglichkeiten einer Gestaltung zu prüfen. Finanziert werden könnte das Denkzeichen laut Kunstkommission entweder durch private Sponsoren oder aus dem Bürgermeister-Etat. Die Klanginstallation könnte nach Einschätzung Steuckardts bis zu 10 000 Euro kosten. Viel Geld für einen stets klammen Bezirk.

Eine klare Absage hat Tempelhof-Schönebergs Straßen- und Grünflächenverwaltung dem zweiten Teil des BVV-Beschlusses erteilt: den Gehwegbereich vor dem Quartiersbüro in der Pallasstraße nach Siegfried Translateur zu benennen.

Das könne aus rechtlichen Gründen nicht erfolgen, hieß es in einer Stellungnahme. Die Verwaltung verwies auf das Berliner Straßengesetz. Danach könne unter anderem kein erinzelner Straßenabschnitt, Gehwegsbereich oder eine Straße in voller Länge und Breite auf bloßen Wunsch, eine Person ehren zu wollen, umbenannt werden. Es sei denn, der bisherige Namensgeber entpuppe sich als Feind der Demokratie – wenig wahrscheinlich bei Peter Simon Pallas (1741-1811), einem Arzt, Zoologen und Forschungsreisenden. KEN
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