Schöneberger Imker hat seine „Bienen bei der Bahn“

DB-Umweltchef Andreas Gehlhaar, Bärbel Höhn und Hobby-Imker Karsten Schischke an den Bienenstöcken auf dem Bahngelände. (Foto: KEN)
 
Hier fing die Imkerei an: Urban Gardening des Vereins "Über den Tellerrand" an der Cheruskerstraße. (Foto: KEN)

Schöneberg. „Bienen bei der Bahn“ ist ein Natur- und Artenschutzprojekt der Deutschen Bahn. Am Internationalen Tag zur Erhaltung der Artenvielfalt am 22. Mai präsentierte der Schöneberger Hobby-Imker Karsten Schischke seine Bienenstöcke auf einer Bahnfläche.

„Die Zahl der Bienen in Europa ist in den letzten Jahren teilweise dramatisch zurückgegangen. Damit fehlt an vielen Stellen ein wichtiger Baustein für eine intakte Natur“, so DB-Umweltchef Andreas Gehlhaar. Daher stelle die Bahn Imkern in Berlin und in ganz Deutschland kostenlos Flächen zur Ansiedelung neuer Bienenvölker zur Verfügung. „Das ist für uns gelebter Artenschutz“, sagte Gehlhaar.

Die Anfrage von Imkern nach Standorten für ihre Stöcke sei riesengroß, berichtete er. Derzeit seien es 1100. Mit mehr als 100 Imkern würden gerade Verträge abgeschlossen. „Ich freue mich darauf, den ersten Umwelthonig der Deutschen Bahn in den nächsten Wochen in den Händen halten zu dürfen“, so Andreas Gehlhaar.

Karsten Schischke, von Beruf wissenschaftlicher Mitarbeiter der Fraunhofer Gesellschaft und in seiner Freizeit Imker und im Schöneberger Verein „Über den Tellerrand“ engagiert, ist Herr über 65 000 fleißige Nektarsammlerinnen. Den Standort für seine Bienen auf der zugewachsenen Tunneldecke zwischen den S-Bahnhöfen Julius-Leber-Brücke und Schöneberg hatte sich Schischke schon vor Bekanntwerden des Bahn-Projekts ausgeguckt.

Den Bienenstock hatten er und der Verein zuvor im Rahmen ihres Urban-Gardening-Projekts mit Nachbarn, darunter vielen Flüchtlingen, auf einer vernachlässigten Fläche an der Cheruskerstraße aufgestellt. Aber bald war klar: Ein bisschen Sicherheitsabstand zwischen Mensch und Biene muss sein.

„Eine Superidee“, sagt Karsten Schischke über das Bienen-Projekt. Denn die Stadt sei mittlerweile ein Paradies und Rückzugsort für Bienen, die ihnen ein gutes Nahrungsangebot mache. Und wenn Kastanien und Linden verblüht sind, würden Wildkräuter, große Brombeerhecken und später im Jahr noch der Efeu auf brachen Bahnflächen für die Insekten attraktiv. „Dabei kommt ein wunderbarer milder Honig heraus, sehr blumig in der Kopfnote und extrem süß im Abgang“, schwärmt Hobby-Imker Schischke.

Den Anstoß für das Bienen-Projekt der Bahn gab 2016 ein Besuch Gehlhaars bei Bärbel Höhn (Bündnis 90/Grüne), der Vorsitzenden des Ausschusses für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit im Bundestag. Die frühere nordrhein-westfälische Landesministerin für Umwelt und Landwirtschaft stellte ihm auch die Bundestagsbienen vor. Nach einer längeren Probezeit summt es mächtig im Hof des Paul-Löbe-Hauses. „Die Bundestagsbienen haben schon im ersten Vierteljahr annähernd 50 Kilogramm Honig gesammelt“, hob die Politikerin hervor, die selbstverständlich auch zum Termin in Schöneberg gekommen war.

Bärbel Höhn verwies auf den dramatischen Verlust an Insekten, dramatisch deshalb, weil sie Bestäuber sind. Ohne sie gibt es kein Obst und Gemüse. Was den Insekten das Leben schwer macht, seien eine intensive Landwirtschaft, Monokulturen und Pestizide.

Inzwischen sei die Situation für Bienen und andere Insekten in der Stadt besser als auf dem Land. In der Stadt würde immer etwas blühen. Höhn lobte die Deutsche Bahn für die „gute Aktion“ und machte noch einen Verbesserungsvorschlag: Die Bahn sollte bienenfreundliche Büsche und Bäume anpflanzen, zum Beispiel Dufteschen. Das sei der Bienenbaum überhaupt.KEN

Nähere Informationen zum Projekt gibt es unter www.deutschebahn.com/bienen.
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