Zukunft der Koordinierungsstelle für Stolperstein-Projekt weiter ungewiss

Tempelhof-Schöneberg. In fünf Monaten endet die Finanzierung für die Koordinierungsstelle des Stolperstein-Gedenkprojekts im Bezirk. Für den Fortbestand ist noch keine Lösung gefunden.

Wie geht es ab 1. Januar weiter, etwa mit der Warteliste von rund 80 Gedenksteinen, die von Angehörigen angemeldet wurden? "Nur wenige können in diesem Jahr noch verlegt werden", sagt Sigrun Marks von der Friedenauer Stolpersteininitiative Stierstraße. Weitere 60 Steine stehen auf einer Interessentenliste von Bürgern. Etliche Paten haben sich laut Sigrun Marks schon aus ihrem Engagement zurückgezogen. "Wir befürchten negative Auswirkungen auf das Ansehen des Gedenkprojekts."

Kulturstadträtin Jutta Kaddatz (CDU) hat ihren Plan fallen gelassen, die Koordinierungsstelle auf ehrenamtliche Arbeit umzustellen. Der CDU-Bezirksverordnete Matthias Steuckardt spricht von rechtlichen Bedenken.

Bürgermeisterin Angelika Schöttler (SPD) hat sich bei Finanzsenator Ulrich Nußbaum (parteilos, für die SPD) für eine Finanzierung durch das Land eingesetzt. "Der Bezirk hat aber bisher keine Signale von der Landesebene erhalten", so die Rathauschefin aus dem Urlaub. Berlin und der Bezirk könnten erst im nächsten Haushalt 2015 dafür Geld einstellen, meint Bezirksverordnete Elisabeth Kiderlen (Grüne). Ihre Fraktion suche zurzeit nach Übergangslösungen. Matthias Steuckardt könnte sich vorstellen, für die Koordinierungsstelle Haushaltsmittel umzuschichten. "Aber da werden wir wohl bei SPD und Grünen auf Granit beißen", so der Verordnete. Er sieht angesichts des großen historischen Erbes des Bezirks - 1933 lebten dort 16 000 jüdische Bürger - den Senat in der Pflicht.

Eine landesweite Lösung will auch die SPD. Fraktionschef Jan Rauchfuß setzt auf die Einigkeit der Parteien in der Bezirksverordnetenversammlung. Der Kulturausschuss werde sich im September mit dem Thema beschäftigen, kündigte er an und bittet engagierte Gruppen und Einzelpersonen, trotz der unsicheren Finanzlage nicht auf eine Stolperstein-Patenschaft zu verzichten. Das Projekt sei für Tempelhof-Schöneberg ein "kulturpolitisches Thema mit höchster Priorität".


Karen Noetzel / KEN
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