Zwei Jahre "Zeithistorisches Portal" im Café Haberland

Engagieren sich mit Herzblut für das Projekt: Renate Friedrichs (links) und Magdalene Rösch (rechts). Für Bürgermeisterin Angelika Schöttler ist das Café Haberland ein wichtiger Tourismusfaktor im Bezirk. (Foto: KEN)
Berlin: U-Bahnhof Bayerischer Platz |

Schöneberg. „Wir können eine durchweg positive Bilanz ziehen“, so Renate Friedrichs und Magdalene Rösch vom Vorstand des Vereins Quartier Bayerischer Platz nach zwei Jahren „Zeithistorisches Portal“.

Der 2007 gegründete Verein hat vor zwei Jahren die Aufgabe übernommen, ein Jahrzehnt lang für die Ausstellung „Zeithisorisches Portal“ zur Geschichte des Bayerischen Viertels einen Besucherdienst zu stellen. Die Vereinbarung beinhaltet darüber hinaus die Verpflichtung, pro Jahr zehn Veranstaltungen unter dem Motto „Wir sind Nachbarn“ zu planen und zu organisieren. Seither betreuen rund 25 Ehrenamtliche kompetent, freundlich und mit großem Engagement die Besucher.

Der Ort des Projekts ist ungewöhnlich und in Berlin und über die Stadtgrenzen hinaus einmalig – ein Kaffeehaus in einem U-Bahnhof, das Café Haberland am Bayerischer Platz. Benannt ist es nach Salomon und Georg Haberland, Gründer und Direktor der Berlinischen Boden-Gesellschaft, nach deren Plänen in nur wenigen Jahren um 1900 das Bayerische Viertel, ein großbürgerliches Wohnquartier, entstand. Hier lebten angesehene Rechtsanwälte und Ärzte, Wissenschaftler, Künstler und Schriftsteller. Viele von ihnen waren liberale, assimilierte Juden. Sie wurden Opfer des nationalsozialistischen Rassenwahns.

Das Projekt, das sich die Geschichte des Viertels und seine dunklen Kapitel zum Thema macht, ist nur möglich geworden, weil der Verein seine Partner überzeugen konnte: die BVG, die BVG-Gewerbeimmobilientochter Urbanis, den Pächter, die Lottostiftung, den Bezirk. Tempelhof-Schöneberg übernimmt die Betriebskosten. Soeben wurde ein Kooperationsvertrag mit dem Touristeninformationsbüro „visit Berlin“ geschlossen.

Das Zeithistorische Portal bietet eine multimediale Ausstellung. Sie umfasst Kurzfilme, Lebenszeugnisse und Berichte. In Fachmagazinen vor Ort kann man sich beispielsweise über das einstige jüdische Leben, Baugeschichte, Kultur oder den nahen John-F.-Kennedy-Platz und das Rathaus Schöneberg informieren.

„Wir wollen eine Brücke von der Vergangenheit in die Gegenwart bauen“, sagt Renate Friedrichs. Das gelingt etwa bei Führungen von Schulklassen. Neben der Erinnerungskultur, die gepflegt werden soll, geht es auch darum, die Attraktivität des Viertels zu steigern, Nachbarschaft zu pflegen und den Einzelhandel zu stärken. „Wir sind im Zentrum eines Netzwerks, das gern genutzt wird“, freuen sich Friedrichs und Rösch.

Bürgermeisterin Angelika Schöttler (SPD) lobt die BVG dafür, beim Projekt mitgetan zu haben. Sie wünscht sich eine Wiederholung am U-Bahnhof Nollendorfplatz. Sein Umbau ist beschlossen.

Die aktive Rückbesinnung auf die Lokalgeschichte ist für Schöttler „ein unheimlicher Gewinn für den Bezirk“. Tempelhof-Schöneberg nutzt das Zeithistorische Portal, um den örtlichen Tourismus anzukurbeln und damit die bezirkliche Wirtschaft. Die Herausforderung sei, noch mehr Werbung für das Café Haberland und sein „Jahrhundertprojekt“ zu machen. Als weitere Zielgruppe können sich der Quartiersverein und Angelika Schöttler unter anderem junge Israelis vorstellen. KEN

Informationen unter www.cafe-haberland.de.
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