Bezirk ehrt den SPD-Theoretiker Eduard Bernstein mit Gedenktafel

Bürgermeisterin Angelika Schöttler und der Historiker Heinrich-Wilhelm Wörmann lüpften das Tuch über der neuen Gedenktafel für Eduard Bernstein. (Foto: KEN)
 
Die alte Gedenktafel für Eduard Bernstein war im Herbst 2014 verschwunden. Vermutlich ist sie von Metalldieben gestohlen worden. (Foto: OTFW, Berlin/Wikipedia)
Berlin: Gedenktafel Eduard Bernstein |

Schöneberg. Für einen bedeutenden Wegbereiter der deutschen Sozialdemokratie ist eine Gedenktafel feierlich enthüllt worden.

Bürgermeisterin Angelika Schöttler (SPD) und Heinrich-Wilhelm Wörmann, Historiker und Vorsitzender der Historischen Kommission der SPD-Berlin, hoben in der Bozener Straße 18 das Tuch über der Tafel für Eduard Bernstein (1850 bis 1932). Bedauerlicherweise hatte sich die Hausverwaltung geweigert, die Gedenktafel an der Hauswand anbringen zu lassen. So befindet sie sich an derselben Stelle wie ihre im Herbst 2014 abhanden gekommene Vorgängerin: hinter einer Hecke unter einem Balkon.

Immerhin sind die Büsche geschnitten, sodass Tafel und Inschrift gut sichtbar sind. Der sozialdemokratische Schrifsteller, Politiker und Theoretiker des sogenannten Revisionismus, der Reformen statt Revolution anstrebte, wohnte in diesem Haus im Bayerischen Viertel von 1918 bis zu seinem Tode. Schon 1981, erinnerte Bürgermeisterin Schöttler in ihrer Ansprache, habe es hier auf Initiative des Bezirks Schöneberg die Einweihung einer Gedenktafel gegeben. Zur Feier war der damalige Regierende Bürgermeister von West-Berlin, Hans-Joachim Vogel, gekommen.

Nach der Jahrtausendwende mussten Geschichtsinteressierte im wahrsten Sinne des Wortes auf Spurensuche nach der Tafel gehen. Sie war von Buschwerk zugewachsen. „Im Jahr 2012 haben wir uns darum gekümmert, dass ein Rückschnitt erfolgt“, so Angelika Schöttler. Zwei Jahre später war die Bronzetafel verschwunden.

Warum der Bezirk mit Beteiligung engagierter Bürger Ersatz geschaffen hat, wenn auch aus weniger wertvollem Material, machte Angelika Schöttler ebenfalls deutlich. Das künstlerische und geistige Erbe Schöneberger Persönlichkeiten zu ehren, sei eine wichtige gesellschaftliche Aufgabe. Gedenktafeln und Stolpersteine seien ein deutliches Zeichen dieser Gedenk- und Erinnerungskultur. Gedenkkultur sei „das Gedächtnis einer Stadt“, fügte Heinrich-Wilhelm Wörmann hinzu. Eduard Bernstein, geboren in einer reformjüdischen Familie, der Vater war Klempner und Lokomotivführer, sei ein „unermüdlicher Arbeiter“ gewesen, der ein „beeindruckendes literarisches Werk“ hinterlassen habe, so Wörmann.

Bernstein, bis 1928 Reichstagsabgeordneter, hatte viele Beziehungen zu Schöneberg. Er gehörte 1910 bis 1919 der Stadtverordnetenversammlung an. Er wirkte von 1919 bis 1921 als unbesoldeter Stadtrat. 1910 trat Bernstein für die Einrichtung einer städtischen Arbeitslosenversicherung ein. Damit sollte das damals noch selbständige Schöneberg auf diesem Gebiet Pionier für Berlin werden. Bernstein nahm sich der Wohnungsnot der unteren Schichten an. Für sie verlangte er den Bau von Kleinwohnungen, Vorläufern der Sozialwohnungen. Den Bau der Lindenhof-Siedlung hat er mit angestoßen.

„Eduard Bernstein sah den Niedergang der Weimarer Republik“, so Heinrich-Wilhelm Wörmann, „er sah, wie Preußen zerschlagen wurde am 20. Juli 1932.“ Man könne beinahe von „Glück“ für ihn reden, dass er noch rechtzeitig gestorben ist. „So blieben ihm wenigstens solche Demütigungen und Schlimmeres durch die kommenden verbrecherischen Machthaber erspart.“ KEN
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