Denkmal für eine frauenliebende Frau

Ursula Hasecke, Frauenbeauftragte des Bezirks, am Gedenkstein für Käthe Kuse. (Foto: KEN)
Berlin: Alter St. Matthäus Kirchhof |

Schöneberg. 2015 beschloss eine Gruppe von Frauen, für einen Gedenkstein zur Erinnerung an Käthe „Kitty“ Kuse (1904–1999) Spenden zu sammeln. Im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Frauenmärz“ wurde dieser am 17. März enthüllt.

Er befindet sich auf dem Alten St. Matthäus Kirchhof, der in diesem Jahr sein 160-jähriges Bestehen feiert. „Wir haben diesen Stein gesetzt für Kitty Kuse, weil sie eine außergewöhnliche frauenliebende Frau war und eine Vorkämpferin der Lesbenbewegung der siebziger und achtziger Jahre. Wir wollten sie der Vergessenheit entreißen. Das gelingt uns mit diesem Stein.“ Das sagte Christiane von Lengerke anlässlich der Gedenksteinenthüllung. Die Zeitzeugin würdigte Kitty Kuses Lebensweg und Lebenswerk. Kuse wuchs als Tochter eines Handwerkers und SPD-Mitglieds mitten in der Schöneberger „Roten Insel“ auf. Ihre ersten gleichgeschlechtlichen Erfahrungen machte sie als Mitglied einer „Proletarischen Singschar“.

Mit einem Stipendium ließ sie sich zur kaufmännischen Angestellten ausbilden und arbeitete im Betrieb ihres Vaters. In der Nazizeit versteckte sie einen Juden im Keller der väterlichen Firma und veranlasste, dass dessen Frau bei Freunden untertauchen konnte. Sie versorgte die ebenfalls untergetauchte jüdische Künstlerin Gertrude Sandmann mit Lebensmitteln und bewahrte sie so vor dem Verhungern.

Nach dem Krieg holte Käthe Kuse in der DDR ihr Abitur nach, studierte an der Humboldt-Universität und erlangte 1951 den akademischen Grad eines „Diplomwirtschaftlers“. Später ging sie von einem Tag auf den anderen und nur mit einer Aktentasche als Gepäck nach West-Berlin, wo sie wieder „ganz unten“ anfangen musste.

Kitty Kuses großes Vermächtnis sei die Gründung der deutschlandweit ersten Gruppe für ältere Lesben, „L 74“, so eine weitere Zeitzeugin, Eva Rieger. Eine weitere große Pionierarbeit sei die UKZ, „unsere kleine Zeitung“, gewesen, sagte Rieger. Kuse gab die Lesbenzeitschrift seit 1975 heraus. Sie existierte 15 Jahre.

Der von dem Freundinnenkreis „Rememberries“ initiierte Gedenkstein für Käthe Kuse wurde allein mit privaten Spenden finanziert. „Eine ganz große Tat“, so die bezirkliche Frauenbeauftragte, Ursula Hasecke. Die „Rememberries“ bauten die Kultur der Erinnerung an bedeutende Vertreterinnen der Lesbenszene aus und machten die Geschichte frauenliebender Frauen sichtbar.

Viele haben die Ikone der Berliner Lesbenbewegung persönlich gekannt, wussten, dass Kuse gerne in einem Café in der Steglitzer Schloßstraße „konditerte“ und das Wandern und Baden auf Mallorca liebte. Tille Ganz hat einen Dokumentarfilm gedreht, in dem Käthe „Kitty“ Kuse aus ihrem lesbischen Leben erzählt.

„Kittys Leben bleibt für mich ein unverstelltes, unverschämtes, überzeugendes, kontinuierliches Coming-Out“, so Christiane von Lengerkes Fazit. KEN

Kontakt zu den „Rememberries“ gibt es über die E-Mailadresse t_buehrmann@web.de.
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