Holger Martin kennt alle Höhen und Tiefen des Antiquitätenhandels

Holger Martin mit seiner neuesten Rarität, einem Silberkelch aus dem 17. Jahrhundert. (Foto: KEN)

Schöneberg. Mit funkelnden Augen erzählt Holger Martin von seiner jüngsten Erwerbung: einem Silberkelch aus dem 17. Jahrhundert.

Das Besondere: Das prunkvolle Trinkgefäß mit dem Doppelwappen ruht auf dem präparierten Fuß eines Adlers. "Ich bin anspruchsvoller geworden. Es muss das Außergewöhnliche sein", sagt er. Entdeckt hat Holger Martin das Stück auf einem Flohmarkt in Dortmund.

Der 63-Jährige glüht vor Begeisterung für sein Metier mit den Schwerpunkten Malerei des 18. und 19. Jahrhunderts sowie hochkarätiges Kunstgewerbe. "Man muss es als Beruf sehen und nicht nur als Job."

Als Detmolder Büchsenmacher mit abgeschlossener Gesellenprüfung und abgeleistetem Wehrdienst kam Martin 1973 nach Berlin. Er begann ein Design-Studium an der Hochschule der Künste, der heutigen Universität der Künste, wechselte aber bald zu Architektur und Stadtentwicklung.

Das Geld fürs Studium verdiente sich Holger Martin mit Trödeln. "Berlin war durch seinen Sperrmüll so verlockend", erinnert er sich. Tolle Sachen habe man da gefunden. Und es entstanden die ersten Flohmärkte. Seinen ersten Stand hatte er auf dem Klausenerplatz.

Die Leidenschaft für Kunst und Krempel packte ihn. Mit dem Diplom in der Tasche eröffneten er und seine Frau ihren ersten Trödelladen in der Nollendorfstraße. Der lag direkt unter ihrer Wohnung. "Uns interessierten ländliche Möbel, rustikale Dinge, schöne Keramik, Kupfergerätschaften, Holzmodel, alles, was ländliches Leben ausmachte", erinnert er sich. Bald war der Sperrmüll nicht mehr so ertragreich. Martin fuhr die anderen Trödler ab und pickte sich die Rosinen heraus: gutes Silber, gutes Zinn, gute Fayencen. Klassisches Kunstgewerbe von der Romanik bis 1830. Später kamen noch Bilder und Teppiche hinzu. "Egal, was man plötzlich entdeckt, man liest darüber, man vergräbt sich in die Materie und sucht weiter nach den Objekten, wenn sie sich gut verkaufen lassen", sagt der hart arbeitende Schöngeist.

Holger Martin verlegte sein Geschäft in die Eisenacher Straße. Die war damals immer noch berühmt als Antiquitätenmeile. Nach dem Fall der Mauer herrschte mit einem Mal Goldgräberstimmung bei den Hausbesitzern. "Sie wollten plötzlich das Doppelte und Dreifache an Miete", sagt Martin. "Heute sind wir noch fünf Antiquitätenhändler." Für sein Gewerbe auch nicht gerade geschäftsfördernd sei das schwule Rotlichtmilieu mit einer aggressiven Szene.

In vier Jahrzehnten als Antiquitätenhändler hat Holger Martin alle Höhen und Tiefen seiner Branche kennengelernt. Heute besitzt er einen festen Kundenstamm, der sogar bis nach Südamerika reicht.

Zwar fährt er immer noch Kollegen ab, geht auf Flohmärkte und Auktionen oder besucht Messen in Berlin, im Bundesgebiet und im Ausland. Aber die Geschäfte werden längst im Internet abgewickelt. Darin ist Holger Martins Sohn Felix firm. Er ist ins väterliche Geschäft eingestiegen. Jetzt sind sie der Kunsthandel Holger Martin & Sohn.

Weitere Informationen unter 215 92 95.

Karen Noetzel / KEN
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