Russische Bühne spielt Theater in der Muttersprache und auf Deutsch

Theatergründer Ilia Gordon fordert vom Senat mehr finanzielles Engagement für die freie Theaterszene. (Foto: KEN)

Schöneberg. Ilia Gordon entschuldigt sich für das Durcheinander. Vor Kurzem hat ein defekter Durchlauferhitzer vier Etagen höher das kleine Theater unter Wasser gesetzt.

Etwas versteckt in der Kurfürstenstraße 123 im Erdgeschoss liegt die "Russische Bühne", die "Russkaja szena". "Wir sind das einzige professionelle russischsprachige Theater außerhalb Russlands", sagt Ilia Gordon selbstbewusst. Er ist Vorsitzender des Trägervereins und "Mädchen für alles" im Theater. In diesen Tagen muss sich der studierte Mathematiker mehr um durchnässte Teppichböden, Möbelstücke und Requisiten kümmern als um die Organisation von Theater-Workshops für rund 60 Kinder, Jugendliche und Erwachsene oder um Reisen zu Festivals in Deutschland, Osteuropa und Saudi-Arabien.

"Ich bin mit dem Theater verheiratet", sagt Gordon und meint damit zugleich seine Frau Inna Sokolova-Gordon. Die Regisseurin ist künstlerische Leiterin des Theaters, das 2007 mit Unterstützung des Vereins "Deutsch-Russischer Austausch" gegründet wurde. Zunächst hatte die Russkaja szena ihren Spielort in Charlottenburg in der Filmbühne am Steinplatz, danach in der Kulturbrauerei in Prenzlauer Berg und seit 2008 in Schöneberg. Ilia Gordon schmunzelt bei dem Gedanken, dass sich in den Räumen an der Kurfürstenstraße früher ein russisches Spezialitätengeschäft befand.

Die "Russische Bühne" ist ein Repertoire-Theater. Mehr als 20 Stücke für Erwachsene und Kinder in hauseigener Regie spielt das dauerhaft engagierte Ensemble aus 20 Profi-Schauspielern. Einmal in der Woche können 50 bis 80 Zuschauer eine Aufführung genießen. Zumeist ist die Bühnensprache Russisch. Aber es gibt auch Vorstellungen, die parallel in russischer und deutscher Sprache oder nur auf Deutsch dargeboten werden. Inna Sokolova-Gordon inszeniert klassisch-modern russische Autoren wie Anton Tschechow, Alexander Puschkin oder Michail Lermontow, aber auch Brecht, Schiller und Goethe, Byron und den Japaner Mishima.

Wie viele private Theater in Berlin wird auch die "Russkaja szena" von Geldnöten geplagt. "Wir bekommen keinerlei finanzielle Unterstützung vom Bezirk oder vom Land Berlin", so Gordon. "So kann es nicht weitergehen. Wir sind ein Gewinn für die Stadt." Die Senatskulturverwaltung erkenne nicht an, dass Theater wie das der Gordons eine bedeutende kultur- und gesellschaftspolitische Rolle spielen - im Fall der Bühne in der Kurfürstenstraße für die in Berlin lebenden Russen, immerhin annähernd 400 000. Die Verantwortlichen redeten gern von der Berliner Tradition der "Willkommenskultur" für Einwanderer, Taten würden aber nicht folgen, kritisiert Ilia Gordon. "Was wir an Geld brauchen, ist viel für uns, sind aber Peanuts für das Land."

Sobald alles wieder trocken ist, wird das Ensemble für die geplanten neuen Inszenierungen proben: für Goethes "Torquato Tasso" in russischer Sprache, Peter Hacks "Ein Gespräch im Hause Stein über den abwesenden Herrn von Goethe" auf Deutsch und Russisch und "Saxophon-Ist" nach einem Stück des zeitgenössischen rumänischen Autors Matéi Visniec.

Weitere Informationen unter www.russkaja-szena.de.

Karen Noetzel / KEN
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