Bürgermeister-Kandidaten präsentierten sich am Bayerischen Platz

Berlin: Café Haberland |

Schöneberg. Zu einer „Elefantenrunde“ haben sich die Bezirksbürgermeister-Kandidaten im Café Haberland getroffen.

„Zur Sache, Tempelhof-Schöneberg!“ sei die erste politische Veranstaltung des Vereins „Quartier Bayerischer Platz“, so Moderatorin Gabriele Knapp. Doch, so war ihr anzumerken, sollte der gemeinsame Auftritt der Erstplatzierten auf den Wahllisten der drei großen Parteien im Bezirk – CDU, SPD und Grüne – nicht dem anlaufenden Wahlkampf dienen. Sichtlich um Sachlichkeit bemüht, blieb ein leidenschaftliches Wettstreiten um Ideen aus. Ruhig erläuterten Amtsinhaberin Angelika Schöttler (SPD) ihre Herausforderin von der CDU, Bildungs-, Kultur- und Sportstadträtin Jutta Kaddatz, und der Herausforderer der Grünen, BVV-Fraktionschef Jörn Oltmann, ihre Vorstellungen und Ziele sowie das für den Bezirk in der ablaufenden Wahlperiode Geleistete. Oltmanns Amtsteilhaberin in der grünen Doppelspitze, Martina Zander-Rade, blieb im Publikum.

Angelika Schöttler freute sich über den Ort des Treffens, das Café Haberland, dieses gemeinsame Projekt mit Bürgern, das „den Kiez bewegt“ – übrigens neben „den kleinen Schritten“ Leitgedanke und Motor ihrer politischen Arbeit, so die Bürgermeisterin.

Milieuschutz überdenken

Schöttler referierte über die bezirklichen Großthemen Sanierungsstau, insbesondere in den Schulen, sowie Finanzen, über den Personalstand in der Verwaltung, über die Nutzung öffentlicher Gebäude und den immer noch nicht entschiedenen Rechtsstreit mit der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) um die Wohnhäuser in der Großgörschen- und Katzlerstraße und lobte die von ihr angestoßenen Unternehmensnetzwerke.

Jutta Kaddatz umriss kurz ihren Berufsweg von der Deutschlehrerin in die Senatsschulverwaltung und ins Bezirksamt, bevor sie darlegte, was sie als Rathauschefin anders machen will: unter anderem keine öffentlichen Gebäude mehr abgeben, Kunst und Kultur im Bezirk größeres Gewicht verleihen und die Stadtentwicklung, sprich, den Milieuschutz kritisch überdenken.
Nach der Rathauschefin und ihrer CDU-Herausforderin trug der Grüne Jörn Oltmann, aus Bremen stammend und von Beruf Gewerbemakler, die Wahlprogrammpunkte seiner Partei vor: bezahlbares Wohnen mithilfe von sozialer Erhaltungsverordnung und sogenannter kooperativer Baulandentwicklung, die Integration von Flüchtlingen, bessere Radwege und statt unzähliger Sondeprogramme des Senats mehr Geld und Entscheidungsfreiheit für die Bezirke.
Am Schluss blieb für Fragen aus dem Publikum nur wenig Zeit. Die Anwohner im Bayerischen Viertel interessierte augenscheinlich ganz anderes als die Ausführungen der Kandidaten: die Drogenszene und überraschend hohe Kriminalität am Bayerischen Platz, dessen ausstehende Umgestaltung und das Parken mit Parkschein. Hier blitzte dann kurz doch so etwas wie Wahlkampf auf.
Für die Kriminalität sei die Berliner Polizei zuständig, die verstärkt Einsätze vor Ort durchführe, so Angelika Schöttler. Jörn Oltmann fordert mehr Polizisten in den Straßen. Für Jutta Kaddatz ist beim Drogenproblem die ganze Gesellschaft gefragt.
Eine Parkraumbewirtschaftung benötige eine rechtliche Grundlage, sagte Oltmann, der zunächst feste Fahrradabstellplätze am Bayerischen Platz installiert sehen will. Jutta Kaddatz will nicht ein Verkehrsmittel gegen das andere ausspielen. In einem Quartier mit überwiegend älterer Bevölkerung könne man nicht auf das Fahrrad setzen. Die Christdemokratin schlug unter anderem eine „zeitversetzte Nutzung“ der Straßen vor. Die Neugestaltung des Bayerischen Platzes, so Angelika Schöttler, sei „ein ziemlich dickes Brett“, weil daran viele Partner zu beteiligen seien.
Waren die Bürger nach der Veranstaltung schlauer? Eine Frau sagte, sie könne keine unterschiedlichen Positionen feststellen und vermisse die Streitbarkeit. Alles sei „verwaschen“. Ein Mann nannte das Treffen nur „ein Kuriosum“. ^KEN
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