Flüchtlingskrise im Bezirk: Tempelhof-Schöneberg improvisiert

Tempelhof-Schöneberg. Wie bewältigt der Bezirk die Flüchtlingskrise, wollte die CDU in einer großen Anfrage wissen. Mit viel Engagement und Improvisation. Einiges liegt jedoch im Argen.

Seit Ende des alten Schuljahres hat Bildungsstadträtin Jutta Kaddatz (CDU) die Zahl der Lerngruppen an Tempelhof-Schönebergs Schulen von 39 Gruppen mit 468 Plätzen auf 55 Lerngruppen mit 660 Plätzen aufgestockt. Bei Bedarf will sie weitere Lerngruppen einrichten. Lehrer und Schüler müssten dann enger zusammenrücken.

Inwieweit mehr Kita-Plätze für Flüchtlingskinder im Bezirk gebraucht werden, hängt laut Jugendstadtrat Oliver Schworck (SPD) davon ab, ob die Eltern ihr Kind überhaupt in fremde Obhut geben wollen – eine Frage der geographischen und kulturellen Herkunft, sagt Schworck.

Mit vollem Einsatz und an der Kapazitätsgrenze bewältigen die Bezirksamtsmitarbeiter den wachsenden Flüchtlingsstrom. „Die Arbeitsbelastung hat deutlich zugenommen“, so Sozialstadträtin Sibyll Klotz (Grüne). Da bleibt keine Zeit für Schulungen oder Fortbildungen in Sachen „interkulturelle Sensibilisierung“. Übersetzer gibt es nicht. Gespräche mit Flüchtligen müssen mit den vorhandenen Sprachkenntnissen der Mitarbeiter geführt werden.

Das Ehrenamtsbüro muss personell dringend aufgestockt werden. Die vielen Ehrenamtlichen, die sich für Flüchtlinge einsetzen möchten, müssen professionell koordiniert werden, fordert die Integrationsbeauftragte Gabriele Gün Tank.

Für die Koordination der Flüchtlingsarbeit sind zwei zusätzliche Stellen geschaffen worden, eine davon bei der Bezirksbürgermeisterin. Sie werde nicht ausreichen, sagt Angelika Schöttler (SPD) mit Blick auf den Flughafen Tempelhof als Unterkunft für Flüchtlinge.

Flüchtlinge brauchen Wohnungen. Größere Flächen für neue Wohnungen im Bezirk gibt es in der Nuthestraße und an der Marienfelder Allee, am Güterbahnhof Wilmersdorf, in der Bautzener Straße und auf der Schöneberger Linse. Bis diese aber bezugsfertig sind, vergehen ein bis zwei Jahre. „Bei allen Bauvorhaben werden Asylbewerber und Flüchtlinge um die zumeist privat finanzierten Wohnungen mit anderen Wohnungssuchenden konkurrieren“, so Stadträtin Klotz. KEN
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