Parteien im Abgeordnetenhaus für Erhalt des Wohnheims

Florian Graf (links), Chef der CDU-Fraktion im Abgeordnetenhaus und die Abgeordnete Monika Thamm trafen Pinel-Geschäftsführer Bernd Gander. (Foto: KEN)

Schöneberg. Der landeseigene Klinikkonzern Vivantes will das Heim für psychisch Betreute in der Dominicusstraße 5-9 an Buddhisten verkaufen. Die kranken Bewohner müssten ihre vertraute Umgebung verlassen. Jetzt funkt die Politik dazwischen.

Seit 1998 betreut die gemeinnützige Pinel-Gesellschaft, "Initiative für psychisch Kranke", nahe dem Rathaus Schöneberg 40 Menschen. Die zumeist an Formen der Schizophrenie Leidenden leben in acht Wohngemeinschaften. 21 Pinel-Mitarbeiter betreuen sie. Ziel ist es, den Kranken ein selbstständiges Leben zu ermöglichen. Die Bewohner sind zwischen 27 und über 70 Jahre alt und kommen aus sieben Nationen.

"Bei einem Umzug wären 15 Jahre Arbeit kaputt und wir müssten ganz von vorn anfangen", sagt Wohnheimleiter Georg Mast.

Die Chancen stehen gut, dass es dazu nicht kommt. Zwar hat der Vivantes-Aufsichtsrat, dem auch Finanzsenator Ulrich Nußbaum (parteilos, für die SPD) und Gesundheitssenator Mario Czaja (CDU) angehören, den Buddhisten den Zuschlag gegeben. Weil aber das Abgeordnetenhaus im Winter die Liegenschaftspolitik des Landes neu ausgerichtet hat, könnten die Karten neu gemischt werden. Es zählt nicht länger der zu erzielende Höchstpreis beim Verkauf einer Immobilie, sondern deren Nutzung.

Das Wohnheim sei eine im Bezirk fest verankerte und anerkannte Institution, so der CDU-Fraktionschef im Abgeordnetenhaus, Florian Graf, der gemeinsam mit seinen Parteikollegen, der Schöneberger Abgeordneten Monika Thamm und Vermögensausschuss-Mitglied Michael Freiberg das Haus besuchte. Die Einrichtung sei eine "bezirkliche Pflichtversorgung" und könne nicht einfach woandershin verlegt werden, betont Michael Freiberg. So sehen das auch alle anderen Parteien im Abgeordnetenhaus, angefangen beim großen Koalitionspartner SPD bis zur Opposition von Grünen und Piraten. Pinel hat im Bieterverfahren mit den Buddhisten inzwischen gleichgezogen. Beide bieten 2,5 Millionen Euro. Die Pinel-Gesellschaft will den Betrag über Kredite und eigene Mittel aufbringen. "Wir sind eine etablierte Einrichtung, die seit langem gut mit der Kreditanstalt für Wiederaufbau zusammenarbeitet", betont Pinel-Geschäftsführer Bernd Gander. "Wir sind optimistisch." Frühestens am 7. Mai beschließt der Vermögensausschuss über den Verkauf.


Karen Noetzel / KEN
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