Bewohner eines Gründerzeitblocks fürchten Verdrängung

Das Haus an der Ecke Großgörschen- und Katzlerstraße soll verkauft werden. (Foto: Liptau)

Schöneberg. Die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BimA) will einen Gründerzeitblock an der Ecke Großgörschen-, Katzlerstraße verkaufen. Und zwar höchstbietend. Die Bewohner fürchten Verdrängung und verlangen zumindest ein Vorkaufsrecht.

Die Fälle, in denen Mieter Angst um ihre Wohnungen haben, häufen sich. Nun könnte es die Anwohner der Großgörschenstraße 25-27 sowie der Katzlerstraße 10 und 11 treffen. Ihr Vermieter, quasi die öffentliche Hand in Gestalt der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben will das Eckhaus mit fünf Eingängen verkaufen. Den Zuschlag soll der bekommen, der das meiste Geld auf den Tisch legen kann.

Und derjenige werde, so die Befürchtung der Mieter, seine Investition möglichst schnell wieder aus dem Gebäude herausholen wollen. Etwa, indem er die Wohnungen luxussanieren lässt und anschließend entsprechend höhere Mieten verlangt. Die derzeitige Bewohnerstruktur, so die Mieter, würde zerstört. Sie haben die Interessengemeinschaft Großgörschen & Katzler (ig GroKA) gegründet, um gemeinsam gegen die befürchtete Verdrängung anzukämpfen.

In der vergangenen Sitzung der Bezirksverordnetenversammlung (BVV) wollten sie dann auch gleich wissen, welche Möglichkeiten der Einflussnahme hier gesehen würden. Stadtentwicklungs-Stadträtin Sibyll Klotz (B’90/Grüne) sagte, sie wisse von Plänen, das Haus zum Sommer dieses Jahres zu verkaufen. Die Einflussmöglichkeiten des Bezirks seien wieder einmal nur gering. So könne er nicht darauf drängen, gegebenenfalls selbst ein Vorkaufsrecht zu bekommen. "Das geht nur in Gebieten, in denen eine soziale Erhaltungssatzung gilt", erklärte Klotz. Hier wären dann auch Luxussanierungen genehmigungspflichtig. Besonders ärgerlich: Ein entsprechendes Verfahren ist für den Kiez um die Großgörschenstraße gerade im Gange.

"Bevor die Erhaltungssatzung hier nicht endgültig gilt, können wir uns allerdings nicht darauf berufen", so die Stadträtin. Sie habe bereits Gespräche mit kommunalen Wohnungsbaugesellschaften geführt, die "ernsthafte Kaufabsichten" geäußert hätten. Bleibe eben nur die Frage, ob sich die BImA darauf einlassen wird.

Einige Mieter würden sogar selbst gern Wohnungen kaufen. Allerdings, so fordert die Interessengemeinschaft, "zu realistischen Konditionen". Durch die Höchstpreis-Strategie seien die Mieter "von vornherein bewusst als mögliche Käufer ausgeschlossen" worden.


Ralf Liptau / flip
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