Bezirksbroschüre sorgt für Kritik im Kulturausschuss

Momentan ist das Gelände der Kohlenhandlung gesichert, ihre Zukunft wird diskutiert. (Foto: Liptau)

Schöneberg. Die Dokumentation des Wettbewerbsverfahrens und des preisgekrönten Entwurfs für das "Denkzeichen Kohlenhandlung Julius und Annedore Leber" sollte die Diskussion in der Bezirkspolitik und der Öffentlichkeit versachlichen. Eine Sitzung des Kulturausschusses zeigt, dass das Gegenteil erreicht wurde.

Der Beratungsausschuss Kunst der Senatskanzlei, der im Februar darüber befinden soll, ob es einen neuen Wettbewerb für das "Denkzeichen" geben wird, hatte die Dokumentation vom Bezirk gefordert. Die entsprechende Broschüre ist nun herausgegeben und kann auch von der Öffentlichkeit bezogen werden.

Der Großteil der Bezirksverordneten war im Kulturausschuss jedoch entsetzt darüber, was da unter der Federführung von Kulturstadträtin Jutta Kaddatz (CDU) gedruckt wurde. Im Wesentlichen besteht das Heftchen aus drei Teilen, in denen die Geschichte des Ortes beleuchtet wird sowie die des Wettbewerbsverfahrens. Im dritten Teil, dem "kritischen Resümee" äußert sich der Künstler Lou Favorite, der auch Mitglied der Jury im Wettbewerb war.

Vor daran erhitzten sich die Gemüter. Ironisch kommentiert führt er hier Zitate von Bezirkspolitikern und Fachleuten an, die teilweise in nicht-öffentlichen Sitzungen gefallen sein sollen. Anschließend suggeriert er in einer "historischen Vertiefung" einen Vergleich mit der Kunstpolitik Adolf Hitlers. ("Es war einst ein Mann, der wollte Künstler werden und ging dann in die Politik. (..."). Den Gegnern des Karrenberg-Entwurfs wirft er "unglaublich niveauloses Verhalten und mangelnde fachliche Kompetenz" vor. Stadträtin Kaddatz bezeichnet den Text Favorites in ihrem Vorwort als "stellvertretend für die Wahrnehmung insbesondere auf Seiten der Künstler, die nicht nur über die Diskreditierung des Preisgerichts empört sind, sondern auch über die Kunstfeindlichkeit aus dem Feld der Politik".

Vor allem die Verordneten von SPD und Grünen waren entsetzt über diese "äußerst tendenziöse" Darstellung und "bodenlose Polemik", wie Elisabeth Kiderlen (Grüne) formulierte. Die Argumente der Entwurfsgegner seien überhaupt nicht dargelegt. So hätten beispielsweise auch Mitglieder der Bürgerinitiative für den Erhalt des heutigen Häuschens zu Wort kommen müssen. Die Ausschussvorsitzende Melanie Künehmann (SPD) sprach von einer "Verunglimpfung und Ehrabschneidung sondergleichen." Nach dem ersten Blick auf die Broschüre habe sie überlegt, zum Rechtsanwalt zu gehen. Auch Sabine Preußker (CDU) bezeichnete die Auswahl der Zitate als "unterirdisch".

Kaddatz hingegen kann die Kritik nicht nachvollziehen. "Es kann nicht darum gehen, ob Bezirksverordnete mit einer solchen Broschüre zufrieden sind oder nicht." Sie sehe der Kritik erstaunt entgegen, schließlich sei "die Realität hier dargestellt". Die Verordneten wollen jetzt prüfen, ob der Broschüre weitere Kommentierungen als Korrektiv beigefügt werden können. In den Fraktionen soll beraten werden, wie mit dem Vorfall weiter umgegangen wird.

Das Heft ist im Buchhandel für zwölf Euro erhältlich (ISBN 978-3-940384-63-8).

Ralf Liptau / flip
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