EU-Förderung für Koordinierungsstelle läuft zum Jahresende aus

Schöneberg. Mit einer Mahnwache vor dem Rathaus hat die Stolpersteininitiative Stierstraße für den Erhalt der Koordinierungsstelle für Stolpersteine im Archiv Schöneberg protestiert.

Die droht in ihrer bisherigen Form wegzufallen. Koordinatorin ist seit 2007 Hannelore Emmerich. "Ein Vollzeit-Job", wie die Kunsthistorikerin und Germanistin sagt. Ihre Tätigkeit finanziert seit Juli 2010 der Europäische Sozialfonds für Deutschland (ESF) im Rahmen des Modellprojekts "Bürgerarbeit".

Das Projekt, das vor allem alleinerziehende und über 50-jährige arbeitslose Erwerbsfähige fördert, läuft zum 31. Dezember dieses Jahres aus. Und damit ist Hannelore Emmerich ihre Arbeit los, die bei den Museen und dem Archiv Tempelhof-Schöneberg angesiedelt ist.

"Es ist damit zu rechnen, dass Ehrenamtliche weitermachen", sagt Emmerich. Das hält sie für schwierig. Sie selbst will diese Aufgabe nicht ehrenamtlich fortführen. Wer sich dazu bereit erklärte, müsste mehr als fünf Stunden in der Woche investieren. Zudem kann sich die Koordinatorin nicht vorstellen, wie die Arbeit auf mehrere Freiwillige verteilt werden soll. Die Angehörigen von Deportierten seien mittlerweile betagt und benötigten für eine Stolpersteinverlegung ein- und denselben Ansprechpartner. "Immer andere Personen kann man ihnen nicht zumuten."

Das Stolperstein-Projekt erfährt großen Zuspruch. Seit einem Jahr kann Hannelore Emmerich "angesichts der langen Wartezeit und der grundsätzlichen Personalprobleme in diesem Bereich" ausschließlich Anträge von Angehörigen Deportierter annehmen. Hausgemeinschaften oder Einzelpersonen, die einen oder mehrere der kleinen Bodendenkmäler verlegen lassen wollen, werden abgewiesen. Auf der Warteliste befinden sich aktuell 100 Stolpersteine.

Seit 2003 wurden im Bezirk 489 Steine gesetzt. Immer mehr Paten und Initiativgruppen recherchierten im Vorfeld der Verlegungen die Biografien der deportierten und ermordeten ehemaligen Nachbarn. Bürgermeisterin Angelika Schöttler (SPD) will sich um eine Lösung bemühen. Wie die aussehen könnte, war bis Redaktionsschluss weder von ihr noch von der zuständigen Kulturstadträtin Jutta Kaddatz (CDU) zu erfahren.


Karen Noetzel / KEN
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