Fotograf zeigt Bilder aus dem Alltag in der JVA Tegel

Galerist Volker Wartmann (re.) und Fotograf Dietmar Bührer zeigen Bilder aus der JVA Tegel. (Foto: Liptau)

Schöneberg. Im "berliner salon für fotokunst", Kyffhäuserstraße 23, sind ab 6. September Bilder des Fotografen Dietmar Bührer zu sehen. Er hat 18 Jahre lang in der Justizvollzugsanstalt Tegel gearbeitet und will mit seinem Werk "einen kleinen Einblick" in den dortigen Alltag geben.

Eine "ganz eigenartige und wunderbare Galerie" sei es, in der seine Bilder jetzt zu sehen sind. Dietmar Bührer ist stolz, seine Werke im Schöneberger "salon für fotokunst" zeigen zu können. Galerist Volker Wartmann zeigt hier regelmäßig Ausstellungen, die sich unter dem Motto "Ein Fotograf - ein Ort in Berlin" mit besonderen oder trivialen Schauplätzen in der Hauptstadt beschäftigen. Diesmal also das Gefängnis in Tegel, auf eigenartige Weise gleichzeitig besonders und trivial. Bührer hat hier ab der 90er-Jahre als Betriebsleiter in der Setzerei und Druckerei Häftlinge ausgebildet. "Die ganz schlimmen Jungs", wie er sagt. Also Mörder, Vergewaltiger oder Kinderschänder. Für das Fotografieren innerhalb des Gefängnisses hatte Bührer eine Sondererlaubnis der Anstaltsleitung und des jeweils zuständigen Senators. Die haben ihm wohl vor allem deshalb vertraut, weil er als Fotograf nicht interessiert war am Skandalösen, sondern vielmehr am Alltäglichen. So sind in der Ausstellung Aufnahmen der Gefängnisflure, Blicke in die einzelnen Zellen und Porträts von Gefangenen zu sehen. Alles ziemlich unspektakulär und trotzdem auf eigenartige Weise berührend. "Natürlich sieht man den Häftlingen auf den Bildern nicht an, dass sie beispielsweise gemordet haben", sagt der Fotograf. Er habe sowohl in seiner Arbeit mit den Gefangenen als auch beim Fotografieren immer versucht, ausschließlich den Menschen zu sehen. Ob er damit nicht die Taten verharmlose? "Nein, denn ich bin ja nicht der Richter", ist Bührer überzeugt. "Die Tat spielt für die Aufnahmen keine Rolle."

Galerist Volker Wartmann ist begeistert von den Bildern. "Ich suche immer nach Künstlern, die nicht nur reine Dokumentarfotos von einem Ort machen, sondern mit einer persönlichen Herangehensweise herausstechen."

Die Ausstellung wird am 6. September 19 Uhr mit einer Vernissage eröffnet. Anschließend ist sie bis zum 24. Oktober mittwochs von 14 bis 19 Uhr, donnerstags von 12 bis 17 Uhr sowie nach Vereinbarung zu sehen. Mehr Infos unter www.salonfuerfotokunst.blogspot.com und 0179/591 35 16

Ralf Liptau / flip
0
Einstellungen für Weiterempfehlungen
 auf anderen WebseitenSenden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.