Gedenktafel erinnert an Hedwig Porschütz

Das Haus, an dessen Eingang Porschütz nun geehrt wird, ersetzte das Haus, in dem sie nach dem Krieg lebte. (Foto: Liptau)

Schöneberg. Ohne Hedwig Porschütz hätte es in der NS-Zeit noch weniger Menschlichkeit gegeben. Sie hielt Juden versteckt und versorgte weitere Verfolgte mit Lebensmitteln. Trotzdem wurde sie in den Jahren nach dem Krieg geächtet. Nun wurde in der Feurigstraße eine Gedenktafel für die "stille Heldin" enthüllt.

"Deine Taten leben in uns fort", sagt die Publizistin und Zeitzeugin Inge Deutschkron der Frau, die sie liebevoll "Hede" nennt. Aber Hedwig Porschütz kann den Dank selbst nicht mehr empfangen. 1977 starb sie in Schöneberg. "Verarmt, krank und einsam", wie Deutschkron beklagt. Seit Mitte November erinnert eine Gedenktafel am Haus Feurigstraße 34 daran, dass die "stille Heldin" Porschütz hier nach dem Krieg gemeinsam mit ihrer Mutter lebte. Verarmt und einsam. Während der NS-Zeit hatte sie mehrere Juden in ihrer eineinhalb Zimmer großen Wohnung am Alexanderplatz versteckt und damit vor Deportation und Ermordung gerettet. Durch Schwarzhandel trieb sie Lebensmittel auch für anderswo versteckte Juden auf. Hedwig Porschütz arbeitete Anfang der 40er-Jahre offiziell als Stenotypistin in der Blindenwerkstatt von Otto Weidt in der Rosenthaler Straße, tatsächlich war sie Prostituierte.

Bei Weidt, der zahlreiche Helfer in seiner Werkstatt vernetzte und dort selbst auch Juden versteckte, traf auch Inge Deutschkron auf Porschütz. Deutschkron war hier beschäftigt und entging so als untergetauchte Jüdin der Deportation ins Konzentrationslager. Menschen wie "Hede" verdankt die 90-Jährige, dass sie diese Zeit überlebt hat und heute über deren Schrecknisse berichten kann. Und über die Versäumnisse der Zeit direkt nach dem Krieg. Zum Beispiel an der Person Hedwig Porschütz.

Im Jahr 1944 wurde sie wegen Kriegswirtschaftsverbrechen und Hehlerei von den Nazis zu eineinhalb Jahren Zuchthaus verurteilt. Im Mai 1945 kam sie frei. Aber die moralische Verurteilung hielt an. Denn die 1900 in Schöneberg geborene Porschütz hatte sich seit den 1920er-Jahren ihren Lebensunterhalt als Prostituierte verdient. In der jungen Bundesrepublik war das einer der Gründe, warum sie keine Rente als Widerstandskämpferin bekam. Der Senat begründete die Absage eines entsprechenden Antrags damit, dass die Anerkennung als Widerstandkämpferin eine Ehrenbezeichnung sei. Und die könne einer Person von solch "niedrigem sittlichen und moralischen Niveau" natürlich nicht zuerkannt werden. Zudem galt das Verstecken von Juden in den ersten Nachkriegsjahren nicht als Widerstandshandlung gegen die Nazis.

Hedwig Porschütz zog nach dem Krieg zu ihrer Mutter in die Feurigstraße 34. 1977 starb sie in einem Altenheim in der Hauptstraße. Ihre Verurteilung wurde erst im Juni 2011 von der Staatsanwaltschaft Berlin aufgehoben.


Ralf Liptau / flip
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