Neuer Wettbewerb für Leber-Gedenkstätte gefordert

Schöneberg. Die ehemalige Kohlenhandlung in der Torgauer Straße soll als "Denkzeichen" gestaltet werden. Hier wirkte Julius Leber (1891-1945) als Widerständler in der Nazizeit, nach dem Krieg gründete Annedore Leber(1904-1968) einen Verlag.

Durch die Baumaßnahmen im Zuge des Förderprogramms "Stadtumbau West" ist das kleine Häuschen in der Torgauer Straße 16-21 wieder ins öffentliche Bewusstsein gerückt. Südlich der Straße werden ehemalige Gewerbeparzellen zur Grünanlage umgestaltet. Die Kohlenhandlung sollte dafür weichen. Das Bezirksamt hat Ende 2011 einen Wettbewerb ausgelobt, in dem nach Konzepten für einen Gedenkort gesucht wurde. Preisträgerin ist die Künstlerin Katharina Karrenberg mit ihrem Projekt "Windfang". Sie sieht vor, die Fundamente des im Krieg zerstörten Häuschens freizulegen und den Eingangsbereich mit Beton auszufüllen. Die Platte soll so an eine Rednertribüne und damit an die Treffen der Untergrundkämpfer und späteren Attentäter des 20. Juli 1944 erinnern.

Nach Bekanntgabe des Siegerentwurfs im Sommer 2012 formierte sich sofort Widerstand unter Anwohnern und in Teilen der Bezirkspolitik. Sie wollen das bestehende Häuschen als Gedenkort erhalten, auch wenn es erst nach dem Krieg auf den Fundamenten des authentischen Gebäudes errichtet wurde. Schließlich hat Lebers Ehefrau Annedore hier in den Nachkriegsjahren ihren "Mosaik-Verlag" gegründet, der sich unter anderem mit der Geschichte des Widerstands zur Nazizeit beschäftigte. SPD und Grüne in der Bezirksverordnetenversammlung haben deshalb die Realisierung des Karrenberg-Entwurfs gestoppt und wollen erreichen, dass der Regierende Bürgermeister in seiner Funktion als Kultursenator einen neuen Wettbewerb ausschreibt. In der Sitzung des Kulturausschusses Anfang Januar ist dieser Beschluss nochmals bekräftigt worden.

Im Februar wird der Beratungsausschuss Kunst der Senatskanzlei entscheiden, ob die Senatsebene das Verfahren weiterführt. Hierfür hat das Bezirksamt eine Dokumentation des Verfahrens veröffentlicht, das im Ausschuss für heftige Kritik an Kulturstadträtin Jutta Kaddatz (CDU) gesorgt hat.


Ralf Liptau / flip
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