Pläne für Bahnhof am Bayerischen Platz vorgestellt

Der neue Bahnhofseingang soll Verkehrsbauwerk, Café und Begegnungsstätte sein. (Foto: Liptau)

Schöneberg. Der alte Eingangspavillon des U-Bahnhofs Bayerischer Platz ist schon seit einigen Wochen Geschichte. Sein Nachfolger soll Bahnhofsbau, Begegnungsstätte und Café in einem sein. Mitte September hat die BVG die Pläne vorgestellt.

Besser kann man die Gestalt des neuen Eingangs wahrscheinlich nicht beschreiben: Mit Blick auf die Visualisierung sagt ein Anwohner, der Neubau werde fast aussehen wie der abgerissene Bahnhofseingang. "Nur setzen sie jetzt eine Miniaturausgabe der Neuen Nationalgalerie oben drauf." Tatsächlich: Der Bau, der in den kommenden Monaten für rund 2,3 Millionen Euro entstehen wird, greift in seiner Kubatur die Formen des Vorgängers aus den frühen 70er-Jahren auf. Die große Neuerung: Er wird zweistöckig. Im oberen Geschoss wird es ein Café mit begrünter Dachterrasse geben und eine Dauerausstellung zum einstmals lebendigen jüdischen Leben im Kiez. Die gestalterische Nähe zur Neuen Nationalgalerie als kulturellem Ort ist also gar nicht so verkehrt - auch wenn sie so bestimmt nicht geplant war.

Gemeinsam mit dem Verein "Quartier Bayerischer Platz" und dem Bezirksamt Tempelhof-Schöneberg realisiert die BVG hier ein Projekt, das in Berlin sicherlich einmalig ist. Die Dauerausstellung im Obergeschoss, zu der die Lottostiftung 195 000 Euro beigesteuert hat, soll die Erinnerungslandschaft im Bayerischen Viertel zusammenfassen und bündeln. Seit über 20 Jahren erinnert das dezentrale Denkmal "Orte des Erinnerns" mit 80 Schildern im ganzen Kiez an die schleichend zunehmende Ausgrenzung und Vertreibung der jüdischen Nachbarn während der NS-Zeit. Bereits vor 50 Jahren wurde in der Münchener Straße ein Denkmal für die dort zerstörte Synagoge errichtet. Es war damals das erste seiner Art in Berlin.

Das Angebot im Café wird zudem die Ausstellung zur Geschichte des Bayerischen Viertels ergänzen, die im unterirdischen Verteilergeschoss des Bahnhofs zu sehen ist. Betrieben wird das - übrigens koschere - Café von der Firma "apeccino", die in Berlin schon als mobile Capuccino- und Espressobar unterwegs ist.

Beinahe schon nebensächlich ist die Nutzung als Bahnhofsgebäude. Doch auch da wird es Neuerungen geben. Künftig soll das Gebäude auch von der Südseite des Platzes begehbar sein. Im Inneren soll der Pavillon transparenter gestaltet werden und damit weniger als trennender Riegel auf dem Bayerischen Platz wahrgenommen werden. Der denkmalgeschützte Bahnhof der Linie U4, so betont die BVG, werde bei all den Maßnahmen nicht verändert.


Ralf Liptau / flip
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