5600 Haushalte befragt

Schöneberg. Tempelhof-Schöneberg hat bereits für drei Wohngebiete sogenannte Erhaltungsverordnungen gegen eine Verdrängung angestammter Bewohner erlassen. Die Rote Insel soll zum vierten Milieuschutzgebiet erklärt werden.

Dazu ließ das Bezirksamt von November bis Ende Dezember sämtliche Haushalte im Kiez zwischen den Gleisen der Wannseebahn im Westen, der Dresdener Bahn im Osten und der Ringbahn im Süden befragen. Das Stadtforschungsbüro Topos verschickte 5600 Fragebögen, die jetzt geprüft und ausgewertet werden. Gefragt wurde unter anderem nach Wohndauer, Miethöhe, Ausstattung der Wohnung, allgemeiner Zufriedenheit mit dem Viertel, den Nachbarn und der Infrastruktur sowie nach Alter, Haushaltsgröße und beruflicher Stellung. Befragt wurden auch Wohnungseigentümer.

Wie groß der Rücklauf war, will Sigmar Gude, Sozialwissenschaftler bei Topos, nicht verraten, nur so viel: "Er war sehr gut." Bei vergleichbaren Wahlumfragen liege ein guter Rücklauf bei einer Beteiligung von rund 1000 Personen.

Bis Ende Februar wollen die Stadtforscher ihre Auswertung abgeschlossen haben und dem Bezirksamt eine Empfehlung für die Rote Insel vorlegen.

Luxusmodernisierungen, die Zusammenlegung von Wohnungen oder ein Abriss preisgünstigen Wohnraums in attraktiven Innenstadtlagen führten immer häufiger zur Verdrängung der alten Bevölkerung, so Stadtentwicklungsstadträtin Sibyll Klotz (Bündnis 90/Grüne). "Diese Verdrängung hat soziale, aber auch städtebauliche Auswirkungen."

So nehme der Verkehr zu, weil beispielsweise weitere Wege zur Arbeit und zur Schule zurückzulegen sind. Oder Kitas und Schulen stehen im gentrifizierten Kiez leer, während die öffentliche Hand sie anderweitig neu errichten muss. Diese städtebaulich problematische und teure Entwicklung will der Bezirk mit den Milieuschutzsatzungen verhindern.


Karen Noetzel / KEN
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