Ausstellung „Alterscoolness 70 plus“ lässt Ehrenamtliche zu Wort kommen

Stadtrat Oliver Schworck (Dritter von links) mit Ehrenamtlichen bei der Eröffnung. (Foto: KEN)
 
„Alterscoolness 70 plus“ auf der Galerie des Foyers im Rathaus Schöneberg präsentiert mit Fotos, Interviews und an Hörstationen zwanzig Berliner Frauen und Männer im Alter zwischen 70 und 89 Jahren, die ehrenamtlich arbeiten. (Foto: KEN)
Berlin: Rathaus Schöneberg |

Schöneberg. Nein, sie sitzen nicht nur auf der Bank, ältere Menschen. Ganz im Gegenteil: Sie engagieren sich zunehmend in der Gesellschaft.

Der Anteil der über 70-Jährigen im Ehrenamt steigt besonders stark. Und laut Studien sind sie gesünder und zufriedener als Menschen, die kein Ehrenamt ausüben. Eine Ausstellung im Rathaus Schöneberg lässt die Freiwilligen selbst zu Wort kommen und setzt sie ins Bild.

„Alterscoolness 70 plus“ auf der Galerie des Foyers präsentiert mit Fotos, Interviews und an Hörstationen 20 Berliner Frauen und Männer im Alter zwischen 70 und 89 Jahren, die ehrenamtlich arbeiten. Sie sprechen über ihre Biographien, die Motive, sich zu engagieren, und über die Erfahrungen, die sie dabei machen.

Die Besucher erfahren unter anderem, was ein Singpate tut, was ein Gottesdienstbeauftragter ist und welche Aufgaben eine Hospizhelferin übernimmt. Dabei wird deutlich, dass ältere Ehrenamtliche weder Kostgänger der Gesellschaft noch „Helden des sozialen Berlins“ sind. Für die helfenden Senioren ist das Ehrenamt ein wertvoller Bestandteil ihres Alltags.

„Die Aufgaben haben mich gesucht. Das Gute muss getan werden“, sagt etwa Karoline Dimroth von der Seniorenvertretung Tempelhof-Schöneberg, die zugleich in der Kleiderkammer einer sozialen Einrichtung hilft. Dorothee Ruddat, Online-Redakteurin von www.passagen-berlin.de sagt, sie habe die Balance zwischen dem Ruhestand – „Muße und Leere können etwas sehr Positives sein“ – und dem Unruhestand, dem Ehrenamt, gefunden. Die Frage des Geldes habe für ihn nie zur Debatte gestanden, meint der Flüchtlingshelfer Gerhard Baader. „Ich habe nicht über Selbstausbeutung nachgedacht.“ Hier wünscht Martin Hoyer, stellvertretender Geschäftsführer des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes Berlin, allerdings einige Korrekturen. Fahrt- und andere anfallende Kosten müssten den Freiwilligen erstattet werden.

„Die Ausstellung ist wichtig. Sie zeigt Vorbilder für diejenigen, die sich engagieren wollen“, sagte Stadtrat Oliver Schworck (SPD) bei der Eröffnung. Diese Menschen, die über einen enormen Lebens- und Erfahrungsschatz verfügten, so der Stadtrat, leisteten Wichtiges für die Gesellschaft, „nicht weil sie es müssen, sondern weil sie es wollen“.

Oliver Schworck betonte, dass viele Einrichtungen des öffentlichen und sozialen Lebens ihre Aufgaben ohne dieses Engagement nicht erfüllen könnten. Gleichzeitig hob er hervor: „Ehrenamtliche ersetzen aber nicht Hauptamtliche.“

Tillmann Bendikowski, Historiker und und Autor des 2016 erschienenen Buches „Helfen. Warum wir für andere da sind“, sagte in seinem Kurzvortrag, die Kultur des Helfens bestehe aus der Hilfe, zu der der Sozialstaat verpflichtet sei, und dem Einsatz Ehrenamtlicher. Ohne diese Kultur des Helfens gebe es keine freie Gesellschaft.

Wie wichtig bürgerschaftliches Engagement ist, zeigt Hamad Nasser auf. Für Migranten sei ein Ehrenamt der erste Schritt „dazuzugehören“, so der Leiter des Nachbarschaftszentrums Steinmetzstraße, wo drei Hauptamtliche und 49 Freiwillige arbeiten.

Die Ausstellung ist bis 15. Oktober täglich 9 bis 19 Uhr zu sehen. Der Eintritt ist frei. Sie wird sie bis Ende 2018 an weiteren Orten in Berlin gezeigt. Es erscheint ein Ausstellungskatalog. KEN
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