Daran arbeiten, dass es immer weitergeht

Peter Pulm ist studierter Geograph, Soziologe und Europa-Ethnologe und Vorstandsmitglied der SPAS AG. (Foto: KEN)

Schöneberg. Das Quartiersmanagement (QM) soll Stadtteile vor dem Abrutschen bewahren. Seit 17 Jahren gibt es ein QM für den Schöneberger Norden mit 17 000 Einwohnern. Karen Noetzel sprach dazu mit Leiter Peter Pulm.

Worum geht es beim Quartiersmanagement?

Peter Pulm: Es geht um die Frage, wie man Stadtentwicklung mit sozialen Aufgaben verbinden kann. Der Hit am Programm „Soziale Stadt“ war und ist das ressortübergreifende Denken und Handeln. Wir können als Team auf verschiedenen Feldern tätig werden: Bildung, Nachbarschaft, Gesundheit, Lokale Ökonomie, Integration und Beteiligung. Die einzelnen Maßnahmen müssen sich immer aus der konkreten Situation im Quartier ergeben. Aber am Ende läuft nichts ohne die Partner im Quartier und im Bezirksamt und schon gar nichts ohne die Bewohner.

Stichwort Integration: Was bedeutet sie für ein Quartiersmanagement?

Peter Pulm: Integration ist eine Querschnittsaufgabe. Sie bezieht sich nicht nur auf Deutsch-Nichtdeutsch sondern auch auf Alte und Junge, Frauen und Männer, Jungen und Mädchen, Behinderte und Nichtbehinderte. Wir wollen alle Menschen mitnehmen.

Sie sind also nicht Klempner einer missratenen Städtebau- oder Sozialpolitik?

Peter Pulm: So würde ich uns nicht sehen. Wir beschäftigen uns mit der sozialen Situation im Quartier mit dem Ziel, die Wohn- und Lebenssituation zu verbessern. Uns geht es um die Menschen hier. Wenn Menschen zuziehen, sind wir auch für sie da. Wir sind aber nicht dafür da, das Quartier im Sinne einer Verdrängung der hier Lebenden aufzuwerten. Darauf lege ich Wert, da Quartiersmanagement leicht unter Gentrifizierungsverdacht gerät. Gentrifizierung kann man in diesem Sinne als Verdrängung der angestammten Bevölkerung definieren. Und das ist nicht unsere Aufgabe.

Bedeutet Gentrifizierung nicht zunächst einmal nur Aufwertung eines Quartiers?

Peter Pulm: Das ist es sicherlich auch. Doch wird der Begriff im Zusammenhang mit Quartiersmanagement eher nicht neutral verwendet. Gentrifizierung und damit Verdrängung werden immer wieder dem Quartiersmanagement angelastet. Aber es geht dabei um Entwicklungen auf dem Wohnungsmarkt, die zu Mietsteigerungen führt. Und darauf hat Quartiersmanagement nur wenig Einfluss. In anderen Quartieren hat diese Frage zu sehr schwierigen Diskussionen geführt. Die Entwicklung ist im Schöneberger Norden verhaltener. Auch hier versuchen wir, etwas zu tun.

Was hat sich grundlegend geändert?

Peter Pulm: Vieles. Es sind Einrichtungen, Träger und engagierte Bewohner hinzugekommen. Themen wie Wohnungsmarkt und Flüchtlinge sind neu oder haben vor Jahren noch nicht diese Rolle gespielt. Die Kommunikation im Stadtteil ist viel besser. Die Stimmung auf den Straßen ist freundlicher geworden. Die Anzahl der Menschen, die sich kennen, die an Beteiligungsverfahren und Nachbarschaftsprojekten teilgenommen haben, hat zugenommen. Präventionsrat und Quartiersrat arbeiten erfolgreich. Man kennt sich, man trifft sich. Gibt es ein Problem, genügen ein paar Telefonate und es sitzen die richtigen Leute an einem Tisch.

Welche Erfolge würden Sie nennen?

Peter Pulm: Es gibt viele Erfolge. Dazu gehört das Bildungsnetzwerk Schöneberg Nord oder das erste Präventionsteam der Polizei. Jedes geförderte Projekt bringt uns weiter. Natürlich auch die von Anfang an geförderten Baumaßnahmen wie der Vorplatz des Pallasseums, der Spielplatz in der Frobenstraße oder der Gleditsch-Park. Der Pallas-Park ist ein besonderes Beispiel: Er wandelte sich vom Parkplatz über einen robusten Stadtpark zum kleinteiligen Park mit Urban Gardening. Dabei hatten wir immer den Anspruch, etwas zusammen mit den Menschen zu machen. Das Pallasseum ist ein Mikrokosmos, an dem man gut zeigen kann, was QM mit guten Partnern tun kann. Aus dem „Sozialpalast“ wurde eine stabile Wohnanlage für Menschen mit geringem Einkommen.

Wie viel Zeit bleibt dem QM noch?

Peter Pulm: Das wissen wir nicht genau, vielleicht noch bis zum Ende des Jahrzehnts.

Werden Sie danach arbeitslos?

Peter Pulm: Nein. Das Quartiersmanagement liegt in der Trägerschaft der AG SPAS, der Arbeitsgemeinschaft für Sozialplanung und angewandte Stadtforschung. Es macht einen Teil unserer Aktivitäten aus. Wir sind im Bereich der sozialen Stadtentwicklung umfassender aktiv, und das nicht nur in Schöneberg. Wir arbeiten immer daran, dass es weitergeht.

Welchen Herausforderungen muss sich das Quartiersmanagement demnächst stellen?

Peter Pulm: Es bestehen zum Teil die alten, es kommen aber auch neue dazu. Das Thema Elternaktivierung ist immer noch ein dickes Brett. Hier haben wir viel erreicht, zum Beispiel mit den Bildungsbotschaftern. Aber da ist noch Luft nach oben. An anderer Stelle haben wir mittlerweile ein Generationsproblem. Wir brauchen neue Leute, die Lust haben, sich zu engagieren. Die Themen Wohnen und Flüchtlinge habe ich schon erwähnt. Und wir würden gern noch das eine oder andere Gebäude der sozialen Infrastruktur aus den 60er- und 70er-Jahren zukunftsfest machen. Zum Beispiel einen Jugendclub oder ein Familienzentrum. Das ist kompliziert, aber wir haben ja noch ein bisschen Zeit.
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