Abriss der Postruine erneut verschoben: Investoren wollen Baustopp nicht riskieren

Vandalen haben Fenster zerstört und Wände demoliert. (Foto: Ulrike Kiefert)

Spandau. Vandalen randalieren auf dem ehemaligen Postgelände. Dort haben die Investoren den Abriss der Hauptpost wegen brütender Vögel auf Oktober verschoben. Laut dem Naturschutzamt steht einem Abbruch allerdings nichts entgegen.

Eigentlich sollte der Abbruch der alten Hauptpost an der Klosterstraße schon Anfang Februar beginnen. Doch statt abzureißen wurde erst mal entkernt – auch aus Rücksicht auf die Fledermäuse, die in der Ruine ihr Winterquartier bezogen hatten. Neuer Termin war Ende März. Nun aber ist der Abriss erneut verschoben und zwar auf Oktober. Die Investoren wollen brütende Vögel nicht stören und haben die Arbeiten ausgesetzt. Offenbar vorsorglich, denn laut dem Naturschutz- und Umweltamt Spandau steht dem Abriss aus Sicht des Artenschutzes nichts entgegen. Die Fledermäuse seien ausgeflogen und die Nester brütender Haus- und Straßentauben könnten unproblematisch umgesetzt werden, da die Vogelart nicht geschützt sei, heißt es aus dem Amt. Andere Brüter seien dort zu dieser Zeit nicht bekannt.

Die Merz Objektbau GmbH & Co. KG begründet als eine der beiden Investoren und Projektentwickler die Entscheidung mit den gesetzlichen Vorschriften zum Schutz von Brutvögeln in der Zeit von März bis Oktober. Darauf habe man sich aufgrund erstellter Umweltberichte zu potenziellen Habitaten und der Einschätzung einer Projekt begleitenden Gutachterin mit der Unteren Naturschutzbehörde des Bezirksamtes verständigt, informiert Jörg Baresel, technischer Projektleiter bei Merz Objektbau. „Wir hätten für die Spandauer gern ein Zeichen gesetzt. Aber wir wollten keinen Baustopp seitens der Oberen Naturschutzbehörde des Landes riskieren, der auch mit Kosten verbunden gewesen wäre“, so Baresel. Was mögliche Brüter betrifft, so will der Investor nistende Sperlinge auf der Südseite des Gebäudes gesichtet haben. Auch die zwei aufgehängten Nistkästen sind laut Merz Objektbau bewohnt.

Nach wiederholtem Vandalismus Wachschutz engagiert

Mit dem Abrissstopp verschiebt sich der für Ende Mai angedachte „Tag des offenen Grundstücks“, an dem interessierte Spandauer mehr über das geplante Stadtquartier „Spandauer Ufer“ erfahren sollten. Hinderlich für solch einen Rundgang vor Ort ist aber auch der wiederholte Vandalismus. „Fenster wurden zerstört und Wände zerschlagen. Dabei war das Postgebäude schon besenrein und sollte für Büroräume zwischen genutzt werden“, sagt Baresel ernüchtert. Weil auf dem Gelände bereits zum sechsten Mal randaliert wurde, ist jetzt ein Wachschutz bestellt. Momentan wird das Gebäude entkernt und bis Mitte Mai dekontaminiert.

Trotz Abrissstopp soll sich das Gesamtvorhaben aber nicht verzögern. Das bestätigte auch Baustadtrat Frank Bewig (CDU). Das Bebauungsplanverfahren sei ein langer Prozess und noch nicht abgeschlossen. Eine zeitliche Vorgabe, bis wann die Postruine abgerissen sein muss, haben die Investoren übrigens nicht, da der Abriss nicht Teil des festgelegten B-Plans ist. uk
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4 Kommentare
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Daniela Meistering aus Lankwitz | 26.04.2017 | 10:30  
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Klaus Marzahn aus Spandau | 27.04.2017 | 11:23  
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Daniela Meistering aus Lankwitz | 28.04.2017 | 10:22  
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Emilio Paolini aus Wilhelmstadt | 19.05.2017 | 12:42  
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