Lärmende Instrumente: Musikschullehrer bemängeln miese Akustik im Ersatzhaus

Spandaus Musikschullehrer haben am neuen Standort ein echtes Problem mit der Akustik. (Foto: Ulrike Kiefert)
 
Im April zog die Musikschule Spandau in das alte Kant-Gymnasium um. Bis mindestens 2020 bleibt sie dort. (Foto: Ulrike Kiefert)

Spandau. Spandaus Musikschullehrer sind im Dauerstress. Der Altbau des ehemaligen Kant-Gymnasiums hat hörbare akustische Defizite, weshalb die Dozenten unter erschwerten Bedingungen arbeiten müssen.

Einige Lehrer unterrichten mit Watte in den Ohren oder wechseln mitten in der Stunde den Raum, weil es nebenan zu laut wird. Andere haben Wolldecken an die Wände gehängt. Die sollen den Schall schlucken. Der Grund dafür: In mindestens zehn der 22 Unterrichtsräume im alten Kant-Gymnasium fehlt die Schalldämmung, was zu extremer Überakustik führt.

Die Musikinstrumente lärmen statt zu klingen. Töne sind verfremdet, hallen nach und sind kaum zu unterscheiden. Problemkinder sind vor allem das Schlagzeug, Trompete, Violine, Flöte, E-Gitarre, Bass und Trommel. Dabei ist die Akustik eigentlich fundamental für eine Musikschule. Doch diese Dauerbeschallung hält niemand lange aus. Die Lehrer berichten von Musikschultagen, die mit Kopfdröhnen enden, von Raumstress und schlaflosen Nächten, von extremen Lautstärken und einem Unterricht, der Lehrer wie Schüler ermüdet und belastet. „Die Akustik ist ein echtes Problem. Qualitätsunterricht ist hier kaum möglich“, bestätigen die Fachbereichsleiter Dorothee Witt und Martin Werner.

Noch bis 2020 am Ersatzstandort

Hinzu kommt der Geräuschpegel von draußen. Weil im Altbau erst jetzt bei laufendem Betrieb renoviert wird, klagen die Lehrer auch über Staub, Schmutz und voll gestellte Räume. „Das ist wie Büroarbeit mit kaputten Computern“, bringt Lehrervertreterin Petra Prieß die gesammelte Kritik auf den Punkt. Dabei habe das Bezirksamt den Dozenten vor ihrem Umzug im April zugesagt, dass am Ersatzstandort alles hergerichtet sei. Denn im Kant-Altbau muss die Musikschule immerhin bis 2020 bleiben. So lange dauern die Bauarbeiten am Haupthaus in der Moritzstraße.

„Wir alle wollen eine schnelle, praktikable Lösung“, sagt Lehrervertreterin Petra Prieß. Und alle fragen sich, warum das Bezirksamt die wichtigen Schallschutzmaßnahmen nicht längst erledigt hat. Und kommen sie überhaupt?

Die Frage ist berechtigt, denn laut Bezirksamt soll der Einbau von Schallschutzelementen in den „problematischen Räumen“ zwar geprüft und gegebenenfalls durchgeführt werden, allerdings nur, „insofern Mittel bereitgestellt werden können“. Das geht aus der schriftlichen Antwort des Bezirksamtes auf eine Anfrage der Grünen in der September-BVV hervor. Weil der Fraktion die Antwort zu dürftig war, hakte sie jetzt in der BVV nochmal nach. So wollte Christoph Sonnenberg-Westeson unter anderem wissen, warum sich das zuständige Amt nicht im Vorfeld um finanzielle Mittel bemüht habe, zum Beispiel beim Altstadtmanagement. Kulturstadtrat Gerhard Hanke (CDU) versprach zwar, dass das Bezirksamt hier nacharbeiten wolle. „Dafür werde ich mich persönlich einsetzen. Mit der Bauabteilung sind wir da schon dran.“ Konkreter konnte oder wollte der Stadtrat aber nicht werden. So blieb offen, wie viel Geld für den Schallschutz überhaupt nötig ist und wann mit ersten Maßnahmen begonnen wird.

Einige Musikschullehrer sind derweil ins Haupthaus zurückgezogen. Auch Petra Prieß hat mit ihrem Geigenunterricht diese Konsequenz gezogen. Zurück in den Kant-Altbau wollen sie erst, wenn die Mängel dort behoben sind. Viel Zeit bleibt dafür aber nicht, denn nach den Oktoberferien beginnen an der Moritzstraße die Hauptarbeiten. uk
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