200 Jahre Fischerdorf Tiefwerder: Ländliche Idylle in der Stadt Berlin

Weiß viel über Tiefwerder und dessen Geschichte zu berichten: Joachim Gregat. (Foto: Christian Schindler)

Spandau. Das Fischerdorf Tiefwerder feiert in diesem Jahr seinen 200. Geburtstag. Ex-Anwohner Joachim Gregat organisierte dazu Rundgänge und eine kleine Dorffeier.

Mit genauen Daten wird es schwierig. Fest steht, dass die am Spandauer Burgwall angesiedelten Fischer 1813 ihre Siedlung verlassen mussten. Die damals in der Zitadelle verschanzten französischen Truppen brauchten freies Schussfeld gegen die preußischen Befreier. Genutzt hat es den Franzosen bekanntlich nichts, aber die Fischer hatten ihr Zuhause verloren.

Den Fischern wurde 1813 das „wüste Gelände auf Tiefwerder“ angewiesen, heißt es in einer Tiefwerder-Chronik von Bruno Baumbach. Und wüst muss es wirklich gewesen sein. „Die Fischer lebten zunächst in einfachen Hütten, bis dann ab 1816 feste Behausungen entstanden“, berichtet Joachim Gregat. Deshalb nun die 200-Jahr-Feier. Der 69-jährige Diplom-Mathematiker Gregat ist in Tiefwerder geboren und aufgewachsen. „Mein Großonkel hat hier noch Krebse gefangen, die gleich mit dem Flugzeug nach Paris gebracht wurden“, schildert er seine persönliche Beziehung zur Fischerei.

Tiefwerder hat Gregat nie vergessen, auch wenn es ihn schon vor Jahrzehnten aus beruflichen Gründen nach Nordrhein-Westfalen verschlug. Gemeinsam mit Freunden und Verwandten überlegte er, den 200. Geburtstag seines Heimatdorfes würdig zu begehen. Und das tat er dann am 2. Oktober. Er organisierte zwei Führungen durch das Dorf, Anwohner boten an Ständen Leckereien und Kunst an. Groß beworben wurde die Veranstaltung nicht: „Vor allem möchten wir die Anwohner wieder richtig in Kontakt bringen“, nennt Gregat sein Hauptanliegen.

Auf rund 1100 Anwohner schätzt Gregat die heutige „Dorfbevölkerung“. Die fühlt sich nach wie vor wohl in der ländlichen Idylle mit vielen Durchblicken auf das Wasser. So fanden sich die Teilnehmer der Dorfrundgänge am 2. Oktober auch gern bereit, zum Abschluss die Tiefwerder Hymne von Paul Setzpfand von 1936 zu singen: „In Tiefwerder an der Havel / Ist die Weltgeschichte aus, / Vorn kommt man hereingefahren / und kommt hinten nicht heraus…“.

Fragt man Gregat nach Sorgen der Anwohner, lächelt er: „Unser Problem heißt Röding“. Der scheidende Baustadtrat Carsten-Michael Röding (CDU) hatte die Renaturierung des Landschaftsschutzgebietes Tiefwerder Wiesen vorangetrieben und dabei auch die Pächter zahlreicher Lauben in „Klein-Venedig“ kündigen lassen. Zwei Pächter hatten sich dagegen gewehrt und letztinstanzlich Recht bekommen (wir berichteten).

Ein Großteil des Geländes ist seit Jahren nicht mehr frei zugänglich, seitdem dort Wasserbüffel als „Landschaftspfleger“ eingesetzt werden. CS
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