Ein Sommertag in Spandau

Heuernte in Kladow
 
Abendstimmung am Kladower Hafen
Sommerferien – die schönste Zeit des Jahres. Einfach mal in den Tag hineinleben, ohne Stress und Termine, endlich mal wieder Zeit für die kleinen Dinge haben, die in den letzten Wochen viel zu kurz kamen. Die Morgensonne scheint zwischen den Vorhängen hindurch durch die Dachluke genau auf das Kopfkissen. Kein Wecker, der drängelt, ein bisschen dösen, aus dem Fenster in den Sommermorgenhimmel schauen, einen Kaffee im Bett genießen. Danach barfuß durch das noch taufeuchte Gras zum Gemüsegarten laufen um frische Himbeeren und Erdbeeren für das Frühstück zu pflücken. Auf dem Stein sitzt eine Eidechse und genießt ebenfalls die warmen Sonnenstrahlen.

Nach dem Frühstück schwingen wir uns auf unsere Räder. Es geht über den ehemaligen Mauerweg vom Hahneberg in Richtung Potsdamer Chaussee. Über kleine Pfade quer durch die Rieselfelder gelangt man zum neu ausgebauten Havelradweg. Rechts und links am Wegesrand blühen unzählige Kornblumen und Mohnblüten wiegen sich leicht im Wind. Nun geht es eine Weile abwärts in Richtung Gatow. Der Fahrtwind verschafft eine kleine Abkühlung, die Havel schimmert immer wieder hinter den zum Teil noch alten Bauernhäusern hindurch. An der Gatower Dorfkirche biegen wir rechts ab und machen einen Zwischenstopp in Hannes Café in der Buchwaldzeile. Immer samstags, sonntags und feiertags gibt es die dort die besten selbstgemachten Kuchen und feinsten Süppchen, die man in Hannes Garten mit Blick auf die Gatower Felder genießen kann. Dazu kann man verschiedene Kaffeespezialitäten probieren und meistens mit dem Gastgeber persönlich ein Schwätzchen halten, der sich mit seinem Café neben seinem Haus einen lang gehegten Traum erfüllt hat. Ein echter Geheimtipp, nicht nur für sonnige Sommertage!

Wir fahren weiter entlang der Felder auf der Gatower Straße in Richtung Kladow. Am Breitehornweg biegen wir links ab. Versteckt hinter Bäumen liegt an der Ecke das buddhistische Waldkloster Gatow, das Wat Pah Bodhi-Dhamm Berlin. Bunte Wimpelketten flattern zwischen den Bäumen im Wind, einige Mönche sind gerade im Garten, einer winkt uns zu. Wir radeln durch den Wald bergab und nun beginnt der schönste Abschnitt unserer Radtour, direkt am schilfgesäumten Ufer der Havel führt uns unsere Tour in Richtung Kladow. Auf dem blauen Havelwasser sehen wir heute weiße Segelboote, die der Wind in Richtung Wannsee treibt. Auch einige Ausflugsdampfer sind unterwegs. Eine alte Holzbank an einer versteckten Badestelle lädt förmlich zu einer kleinen Pause ein. Wir genießen den Havelblick und der typische Havelwassergeruch kitzelt uns in unseren Nasen.

Nun fahren wir weiter durch den Gutspark Neukladow. Im ehemaligen Lehnschulzengut „Neu-Cladow“, das König Friedrich Wilhelm III. 1799 seinem Kabinettsrat Anastasius Ludwig Menken überließ, befindet sich heute noch ein Café mit herrlichem Blick über den Park auf die Havel. Die Tochter Menkens, Louise Wilhelmine, verbrachte hier übrigens ihre Jugendjahre. Da sie später den Gutsherrn Ferdinand von Bismarck heiratete, sollte ihr Sohn Otto von Bismarck die Geschichte Preußens noch nachhaltig beeinflussen.

Wir verlassen den Gutspark durch das alte Eingangstor und befinden uns nun auf der Imchenallee, die uns direkt zum Kladower Hafen führt. Dort steigen wir von unseren Rädern und genießen ein kühles Hefeweizen unter schattigen Kastanien in Maisel`s Biergarten mit Blick auf die Insel Imchen und den Wannsee.

Wir schieben nun unsere Fahrräder den recht steilen Weg zur Dorfkirche Kladow hinauf, deren Glockengeläut uns die volle Stunde anzeigt. Nun radeln wir am Dorfplatz vorbei und biegen links in den Ritterfelddamm. Auch hier führt der Fahrradweg entlang der schon abgeernteten Felder. Die Stoppeln leuchten gelb in der Nachmittagssonne. Heuballen liegen zum Trocknen in der Sommerhitze.
Am Ende des Ritterfelddamms machen wir einen kurzen Abstecher über die Uferpromenade zum Glienicker See. Wir haben unser Badezeug eingepackt und genießen das kühle Wasser und die Sonne auf der Haut. Im Schilf entdecken wir einen Flusskrebs und oben am Himmel dreht ein Fischreiher seine Runden.

Am späten Nachmittag verlassen wir Kladow und fahren auf dem Radweg entlang der Potsdamer Chaussee zurück nach Spandau. Zu Hause angekommen, stärken wir uns mit frischem Salat aus dem Gemüsegarten und der Duft von Gegrilltem liegt in der Luft. Die selbstgemachte Kräuterbutter schmeckt besonders gut.

Langsam weicht die Hitze des Tages einer angenehmen Kühle. Die Sonne versinkt glutrot hinter der Karolinenhöhe, der Garten wird von Windlichtern beleuchtet, ein Igel macht einen Abendspaziergang durch das hohe Gras. Wir genießen ein kühles Glas Sommerwein, lauschen dem Zirpen der Grillen und sind uns einige, dass dies ein Sommertag war, der schöner nicht hätte sein können.
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