Erinnerung an die Familie Jonas: Konfirmanden erforschten jüdische Biografien

Die Stolpersteine für Oskar, Else und Kurt Jonas. (Foto: Christian Schindler)
Berlin: Haus der Familie Jonas |

Spandau. Die Konfirmationsgruppe der Luthergemeinde und die Jugendgeschichtswerkstatt Spandau haben die Geschichte der jüdischen Spandauer Familie Jonas erforscht, an die vor der Roonstraße 16 drei Stolpersteine erinnern.

Es lief alles gut für Oskar Jonas. Geboren am 8. Januar 1880 in Schloppe in Westpreußen, das heute Polen ist, kam er als junger Mann in die noch selbstständige havelländische Stadt Spandau. 1908 findet sich sein Name erstmals im Spandauer Adressbuch: Oskar Jonas, Uhrmacher, Potsdamer Straße 51. Seit 1940 war das die Adresse Carl-Schurz-Straße 21, und damit wissen geschichtsbewusste Spandauer, dass Jonas’ Geschäft sich in guter Lage befand: Direkt neben dem königlichen Hauptpostamt, der heutigen Volkshochschule.

Anfang der 1930er Jahre zeigt dann auch ein Foto den stolzen Geschäftsinhaber in der Eingangstür, mit der bekränzten Jubiläumszahl 25. Da war Jonas längst Familienvater. 1907 hatte er Else Allenstein geheiratet, und die schon zwei Jahre zuvor unehelich geborene Tochter Käthe anerkannt. Am 26. Februar 1908 kam Sohn Kurt zur Welt. 1910 folgte die Tochter Gerda, die aber nur zwei Monate alt wurde. Da lebte die Familie noch in dem Haus, in dem sich auch das Geschäft befand.

Drei Jahre später, 1913, zog die Familie Jonas in das neu errichtete Haus Roonstraße 16. Die Wohnung im ersten Stock war komfortabel: Speisezimmer, Herrenzimmer, drei Schlafzimmer und Küche. Nach 1933 geriet die jüdische Familie ins Visier der Nationalsozialisten. Laut Akten aus dem Entschädigungsverfahren, das Kurt Jonas 1962 anstrengte, wurde das Geschäft in der Altstadt am 3. Dezember 1938 aufgegeben, die Waren wurden unter Wert verschleudert oder gar im Stich gelassen.

Verlobung mit Nicht-Jüdin war "Rassenschande"

Die Familie war nun ohne Einkommen. Das jüdische Ehepaar Goldberg aus der Schönwalder Straße 111 zog als Untermieter ein. Im August 1938 floh Tochter Käthe mit Ehemann Ralph Kiefel nach Australien. Der erfolgreiche katholische Autoklempner und –lackierer Kiefel ließ seine beiden Werkstätten im Stich, weil viele seiner Kunden, die der NSDAP angehörten, seine Trennung von seiner jüdischen Ehefrau forderten. Kurt Jonas kam wegen „Rassenschande“ erst ins Gefängnis und dann in die Konzentrationslager Dachau und Buchenwald, weil er mit einer Nichtjüdin verlobt war. Seine Eltern konnten ihm im Juli 1939 noch eine Ausreisemöglichkeit nach England besorgen.

Irgendwann danach muss das Ehepaar Jonas gezwungen worden sein, die Wohnung an der Roonstraße zu verlassen. 1942 lebten sie in einem Gartenhaus an der Uhlandstraße 194. Am 3. Mai 1942 starb Else Jonas und wurde auf dem Jüdischen Friedhof in Weißensee begraben. Das Grab existiert noch, hat aber keinen Grabstein. Oskar Jonas wurde am 19. Oktober 1942 nach Riga deportiert und sofort nach der Ankunft am 22. Oktober 1942 in einem Wald an einer Grube ermordet. CS
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Ralf Rohrlach aus Friedrichshain | 09.05.2017 | 14:05  
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