Niedersächsischer Sammler entdeckte Rarität auf Flohmarkt in Aachen

Der auf einem Aachener Flohmarkt entdeckte Stahlstich zeigt einen Blick vom Stresow auf den Turm von St. Nikolai, den Kolk und den Juliusturm auf der Zitadelle (rechts). (Foto: privat)

Spandau. Einen Stahlstich der Stadt Spandau aus der Mitte des 19. Jahrhunderts entdeckte jetzt der Journalist und Sammler Atze Schmidt (77) auf einem Flohmarkt in Aachen.

Der Sammler aus Rütenbrock, einem Ortsteil der niedersächsischen Gemeinde Haren, den nach seinen Angaben "Flohmärkte unwiderstehlich anziehen", fand die Rarität unter allerlei Kram und Krempel.

"Nach meinen Recherchen hatte Carl Würbs (1807-1876) die Vorlage für den Stahlstich geschaffen", sagt Schmidt. Karl Würbs, in Prag geboren, war Sohn eines Bürstenbinders und erlernte zunächst diesen Beruf. Wegen seines Zeichentalents konnte er ab 1823 an der Prager Kunstakademie studieren. Dort wandte er sich vor allem der Landschaftsrmalerei sowie Städteansichten von großer topographischer Treue zu. Würbs wurde Professor an der Prager Akademie und Inspektor der Gemäldegalerie der Gesellschaft patriotischer Kunstfreunde in Böhmen.

Der von Schmidt entdeckte Stich ist identisch mit einem Angebot, das aktuelle im Internet zu finden ist. Hier wird das Werk Gustav Georg Lange (1812-1843) zugeschrieben. Der Sohn eines hohen Militärbeamten war Zeichner, Stecher, Buchhändler, Drucker und Verleger und betrieb eine Stahlstichanstalt in Darmstadt. Gemeinsam mit seinen Brüdern, dem Architekten und Zeichner Ludwig Lange und dem Forscher Georg Lange gab er die Sammlung "Originalansichten der vornehmsten Städte Deutschlands" heraus. Diese Ansichten wurden in seiner eigenen Druckerei in Stahl-, Kupfer- oder Zinkdruck hergestellt.

Aus demselben Haus Lange stammt auch das Werk "Berlin und seine nächsten Umgebungen", in dem 1855 Ludwig Rellstab über die Havelstadt berichtet. Nach seinen Schilderungen sei Spandau seit 1850 "durch die Erbauung der Berlin-Hamburger-Eisenbahn zu einer Art Vorstadt Berlins geworden, die man in einer Viertelstunde erreicht". Jedoch sei Spandau "zugleich ein Ort des Schreckens, denn es ist dort eins der Hauptzuchthäuser befindlich, und die Festung bewahrt viele hundert Gefangene verschiedener Gattung".


Michael Uhde / Ud
1
Einem Autor gefällt das:
Einstellungen für Weiterempfehlungen
 auf anderen WebseitenSenden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.