Stolperstein neu verlegt: Warnung vor Fremdenfeindlichkeit

Die drei Stolpersteine für die Familie Salomon. (Foto: Christian Schindler)
Berlin: Stolperstein Zilka Salomon |

Spandau. Der am 1. Juli entwendete Stolperstein für die von den Nationalsozialisten ermordete Spandauer Jüdin Zilka Salomon ist am 9. November vor ihrer letzten Wohnung Lutherstraße 13 neu verlegt worden.

Eine ansehnliche Trauergemeinde hatte sich an diesem Tag versammelt. Neben entfernten Angehörigen der Familie Salomon waren das Schüler der Lynar-Grundschule, die sich in interreligiösen Projekten mit der Verfolgung der Juden während des Dritten Reiches befassten, Schüler des Oberstufenzentrums Tiem, die zur Geschichte der Familie Salomon forschten, aber auch Anwohner und mit dem Bezirksverordnetenvorsteher Joachim Koza und Bildungsstadtrat Gerhard Hanke (beide CDU) auch wichtige Kommunalpolitiker.

Uwe Hofschläger von der Jugendgeschichtswerkstatt berichtete noch einmal vom Leben Zilka Salomons, die 1879 in Posen zur Welt kam und später in Spandau ein Textilgeschäft betrieb. Im März 1943 wurde sie wie auch ihre Kinder Leonie und Gerhard nach Ausschwitz deportiert und dort ermordet.

Erst am 24. Juni dieses Jahres hatte der Künstler Gunter Demnig drei Stolpersteine für die drei an ihrem letzten bürgerlichen Wohnort verlegt. Am Abend des 1. Juli wurde dann der Stolperstein für Zilka Salomon aus dem Pflaster gebrochen. Ein Täter konnte bisher nicht ermittelt werden. Das Bezirksamt stellte vorsichtshalber die Stolpersteine für Leonie und Gerhard Salomon ebenfalls sicher, die jetzt wieder verlegt wurden.

In ihren Reden betonten Hanke wie Koza, dass sie nicht garantieren könnten, dass es nicht wieder zu Beschädigungen an der Erinnerungsstätte kommen werde. Allerdings werde man auf die Steine achten. "Ich bin stolz auf diese jungen Menschen“, sagte Hanke mit Blick auf die Schüler, die sich mit den Biographien der Salomons befasst hatten und Blumen an den Steinen niederlegten. Koza stellte den Bezug zur Gegenwart her: Damals seien Menschen wegen ihrer Religion verfolgt worden, heute würden Menschen, die in Deutschland Schutz vor unerträglichen Zuständen in ihrer Heimat suchten, als Barbaren diffamiert. CS
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Christian Schindler aus Reinickendorf | 16.11.2015 | 10:13  
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