Gedenkmauer mit Namenssteinen eingeweiht

Am 74. Jahrestag der Novemberpogrome wurden am Mahnmal am Lindenufer Kränze niedergelegt. (Foto: Michael Uhde)

Spandau. Von der Vorstellung bis zur Realisierung sind vier Jahre vergangen: Jetzt ist in der Gedenkstunde zu den Novemberpogromen am 9. November die Gedenkmauer am Mahnmal am Lindenufer eingeweiht worden. Auf den Mauersteinen sind die Namen der bislang 115 bekannten Opfer verewigt.

Die Mauer ergänzt das 1988 errichtete Mahnmal für die zerstörte Spandauer Synagoge und die ermordeten und deportierten Spandauer Juden. Mit einem symbolischen Spatenstich war am 24. Juli der Startschuss für den Bau der rund 62 000 Euro teuren Gedenkmauer gefallen. Der Entwurf stammt von der im Mai dieses Jahres verstorbenen Architektin Ruth Golan-Zareh und ihrem Ehemann Kay Zareh. Das Mahnmal symbolisiert die Synagoge in Form von Baukörper und Turm, die durch die Wucht der Gewalt umgerissen wurden und nun hintereinander liegen. Im Inneren des gespaltenen Turms leuchtet ein ewiges Licht als Zeichen des Gedenkens an die Toten. Die Erweiterung des Mahnmals um eine Gedenkmauer mit Namenssteinen hat das Ziel, die Opfer aus der Anonymität heraus zu holen und als Personen mit ihrem individuellen Schicksal erkennbar zu machen. Die Namen der bekannten Opfer wurden bei der Feier am 9. November verlesen. Schüler der Martin-Buber-Oberschule erinnerten an Paula Gumpert. Die Jugendlichen erzählten von der schwer Kranken, aber dennoch sehr lebensfrohen Spandauerin. Sie wurde - gerade mal 29 Jahre alt - von den Nationalsozialisten im März 1943 mit ihrer sieben Monate alten Tochter Bela nach Auschwitz verschleppt und dort ermordet.

An der Gedenkstunde nahmen neben zahlreichen Spandauern Gideon Joffe, der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde zu Berlin, deren Kantor Isaac Sheffer, Markus Dröge, Bischof der Evangelischen Landeskirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz und Bürgermeister Helmut Kleebank (SPD) teil. Angehörige von Opfern aus Europa und den USA waren extra angereist. Nach der Verlesung der Namen der Opfer und dem Kaddisch, einem jüdischen Gebet, endete die Gedenkstunde mit einer Kranzniederlegung.

40 000 Euro der Kosten für die Erweiterungsmauer trägt der Bezirk aus Mitteln des Senatsprogramms "Aktionsraum plus" für die Umgestaltung des Lindenufers. 22 000 Euro steuerte der Kirchenkreis Spandau bei. Rund 18 000 Euro davon kamen durch die im Frühjahr vergangenen Jahres gestartete Kampagne "Spenden Sie einen Stein" zusammen. Viele haben mit einer Spende von zehn Euro einen einzelnen Stein für die Gedenkmauer finanziert oder sind mit einer Spende von 100 Euro Pate für einen Namensstein geworden. Beteiligt haben sich auch Schüler der Lynar-Grundschule im Rahmen eines interreligiösen Projekts sowie Firmen, Vereine und Parteien.


Michael Uhde / Ud
0
Einstellungen für Weiterempfehlungen
 auf anderen WebseitenSenden