Nach 60 Jahren müsste jetzt Grunderneuerung beginnen

Spandau. "Wir haben das Problem, dass erneuerte Straßen schon nach sehr kurzer Zeit wieder Schäden aufweisen", sagte Tiefbauamtsleiter Michael Spiza kürzlich im Verkehrsausschuss der BVV.

Als Beispiele nannte er die Straße Freiheit oder die Heerstraße, deren Zustand bereits während der Gewährleistungsfrist aber auch kurz danach weitere Bauarbeiten erforderlich gemacht hätte.Über mögliche Gründe informierte Diplom-Geologe Bernd Dudenhöfer vom Prüf- und Forschungslaboratorium Berlin die Mitglieder des Ausschusses. Er erinnerte daran, dass Straßen hoch beanspruchte Bauwerke sind, die nicht ewig halten. Und er bestätigte den Eindruck, dass der Zeitraum bis zur notwendigen Erneuerung momentan selbst bei neu gemachten Straßen oft sehr kurz sei.

"Das etwa 5300 Kilometer lange Straßennetz Berlins ist mehrheitlich in den 60er Jahren nach damaligen Standard gebaut worden", begründete Dudenhöfer. Und damals seien sowohl das Verkehrsaufkommen als auch die durchschnittliche Achslast der Fahrzeuge geringer gewesen. Die häufig notwendige Beseitigung von Schlaglöchern sei ein Zeichen dafür, dass diese Straßen schon völlig am Ende seien.

"Der Unterbau einer Straße muss spätestens nach 60 Jahren erneuert werden und dieser Zeitraum ist jetzt erreicht", so Dudenhöfer. Berlinweit gebe es jedoch keine systematische Erfassung des Straßenzustands und damit auch keine überbezirkliche Planung. Eigentlich müsste die Grunderneuerung jetzt in großem Umfang beginnen. Die jährlich aufgelegten Sonderprogramme würden da allerdings nicht helfen.

Denn die Verschiebung der grundlegenden Erneuerung über die technische Nutzungsdauer hinaus habe zur Folge, dass die unzureichende zwischenzeitliche Erneuerung zur kurzen Haltbarkeitsdauer führe. Für den Neubau der Berliner Straßen benötige man allerdings rund 70 Euro pro Quadratmeter. Das entspreche für die gesamte Stadt etwa fünf Milliarden Euro.


Michael Uhde / Ud
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