Senat will spezielles Ausbildungprojekt in Spandau nicht mehr fördern

Karl Heinz Velten (rechts) führt Swen Schulz und Helmut Kleebank (Mitte) durch die Werkstätten am Brunsbütteler Damm. (Foto: Ulrike Kiefert)

Spandau. Seine Bildungstour führte Bürgermeister Helmut Kleebank (SPD) kürzlich in die Berufsausbildungsstätte am Brunsbütteler Damm 143-147. Dort ist die Zukunft ungewiss, weil der Senat die Ausbildung nicht mehr fördern will.

Karl Heinz Velten brauchte nur zwei Sätze, um das Dilemma um die Ausbildungsstätte zu beschreiben. "Unser Auftrag endet in zwei Jahren. Dann werden wir bedauerlicherweise schließen müssen." Der Geschäftsführer der bbw Berufsvorbereitungs- und Ausbildungsgesellschaft mbH hätte Bürgermeister Helmut Kleebank (SPD) bei seinem Besuch am 30. Juli sicher gern Positiveres berichtet. Doch der Blick auf die Faktenlage gab das nicht her. Mitte August 2015, das ist sicher, will der Berliner Senat die Berufsausbildung der bbw mbH nicht mehr fördern. Konkret geht es dabei um das Projekt Modulare Duale Qualifizierungs-Maßnahme (MDQM), mit dem die Gesellschaft am Standort Spandau schon seit sieben Jahren im Auftrag des Senats erfolgreich arbeitet. Vom Land Berlin finanziert soll es nun in zwei Jahren auslaufen. "Das würde in Spandau eine große Lücke in der Bildungslandschaft hinterlassen, denn für diese Art der Ausbildung gibt es keinen anderen Träger", bedauerte Helmut Kleebank. Tatsächlich gibt es dieses Angebot für benachteiligte Jugendliche in der Ausbildung nur zwei Mal in Berlin: in Spandau und in Schöneberg, beide in Trägerschaft der bbw mbH.

In Spandau besuchen 400 junge Berliner die Ausbildungsstätte. Sie hatten nach dem 10. Schuljahr kaum Chancen, einen Ausbildungsplatz zu finden. Im MDQM-Projekt können sie den Hauptschulabschluss oder die erweitere Berufsbildungsreife nachholen und einen von 22 Berufen erlernen wie Bürokauffrau, Maler, Tischler, Modenäher, Gärtner oder Friseur. Mehr als 80 Prozent der Berufsschüler finden nach ihrer Ausbildung einen Job.

Karl Heinz Velten will darum nicht einfach so aufgeben. "Mein Wunsch ist es, diese Ausbildungsstätte qualifiziert weiterführen zu können." Doch dafür müssten andere Fördertöpfe her. Der Bezirk allein kann die jährliche Vier-Millionen-Euro-Förderung des Senats nicht ersetzen. Helmut Kleebank und der Bundestagsabgeordnete Swen Schulz (SPD), der den Bürgermeister bei seinem Besuch begleitete, sicherten jedoch ihre politische Unterstützung zu. So erarbeite das Bezirksamt mit dem Jobcenter und der Arbeitsagentur gerade einen Masterplan gegen die Jugendarbeitslosigkeit in Spandau, informierte Kleebank.

Ein künftiges Förderangebot könnte dabei die Berufsausbildung für Schüler sein, die ihren Schulabschluss nicht schaffen. Möglicher Standort wäre die Ausbildungsstätte am Brunsbütteler Damm, in fortgesetzter Trägerschaft der bbw mbH. Allerdings gehört die Immobilie zum Vermögen der Senatsbildungsverwaltung.


Ulrike Kiefert / uk
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