Platznot: Motardstraße und Waldschluchtpfad weiter gebraucht

Die Kasernen an der Schmidt-Knobelsdorf-Straße scheinen noch gut in Schuss zu sein. Momentan nutzt die Polizei ein Haus als Domizil. (Foto: Ulrike Kiefert)

Spandau. Wegen der wachsenden Zahl von Flüchtlingen werden die Asylbewerberheime an der Motardstraße und am Waldschluchtpfad nun doch länger offen bleiben. Beide Unterkünfte sollten zum Sommer schließen.

Eigentlich sollte die abrissreife Erstaufnahmeeinrichtung an der Motardstraße 101a im Sommer dicht gemacht werden und die Flüchtlinge in das Corvus-Haus in Lichtenberg umziehen. So jedenfalls hatte es Sozialsenator Mario Czaja (CDU) im Interview mit dem Spandauer Volksblatt vor knapp fünf Monaten angekündigt. Doch die wachsende Zahl der Flüchtlinge sorgt für Platznot. 1047 neue Flüchtlinge haben allein im Juli in Berlin Asyl beantragt. Die Folge: Die Erstaufnahmestelle mit 350 Plätzen im Corvus-Haus ist - kaum eröffnet - bereits voll. Dorthin sollte zumindest ein Teil der 600 Flüchtlinge aus der Motardstraße umziehen. Nun bleibt das marode Heim auf unbestimmte Zeit erhalten. Zwar sei eine Schließung wünschenswert, aber derzeit nicht absehbar, heißt es im Landesamt für Soziales und Gesundheit (Lageso), das für Flüchtlinge zuständig ist. "Der Pachtvertrag wie der Betreibervertrag können und müssen auch solange verlängert werden, wie es die Unterbringungssituation erfordert", sagt Sprecherin Silvia Kostner. Auch das Flüchtlingsheim am Waldschluchtpfad in Hohengatow bleibt länger offen. Die 450 Asylplätze waren im Oktober 2013 aus der Notlage heraus entstanden. Den Anwohnern war die Unterkunft als Übergangslösung bis längstens April 2014 angekündigt worden.

Aus dieser temporären Geschichte wird nun möglicherweise eine länger dauernde Story. Denn die zwei ehemalige Kasernen an der Schmidt-Knobelsdorf-Straße 30-32 in Wilhelmstadt, die als Ersatzunterkünfte dienen sollen, müssen laut Lageso nun doch komplett instand gesetzt werden. Dabei hatte es erst geheißen, die Gebäude seien teils gut erhalten, die Inbetriebnahme nach den Sommerferien also realistisch. Nun aber werden die Bauarbeiten mindestens neun Monate dauern, sofern es dort losgeht. Bei der Arbeiterwohlfahrt (AWO) Mitte, die beide Heime betreibt, sorgt sich die Geschäftsführerin vor allem um die Motardstraße. "Wir wissen nicht, wie hart der Winter wird und wie lange die alten Gebäude das noch aushalten", sagt Snezana Prvulovic-Hummel. Was den Waldschluchtpfad betrifft, so sei sie "dankbar dafür, dass sich dort viele Anwohner für die Flüchtlinge engagieren". Es gibt aber auch kritische Stimmen, die über Lärm, Polizeieinsätze und Müll klagen. Laut dem Lageso gibt es Pläne für zwei neue Asylheime in Spandau. Über die Standorte hält man sich noch bedeckt. Die Notunterkunft am Askanierring wiederum soll auf 330 Plätze aufgestockt und zur Erstaufnahmeeinrichtung werden. Die entsprechenden Anträge der AWO Mitte sind noch im Genehmigungsverfahren.


Ulrike Kiefert / uk
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