Glühwein statt Kunsthandwerk: Händler auf Weihnachtsmarkt ziehen gemischte Bilanz

Annette Stellmach und Gisela Diewock verkaufen Stollen aus Burgstädt. (Foto: Ulrike Kiefert)
 
Für Susanne Galvani läuft das Schmuckgeschäft wie gewünscht. (Foto: Ulrike Kiefert)

Spandau. Am Freitag geht nach 31 Tagen der 43. Spandauer Weihnachtsmarkt zu Ende. Eine Woche zuvor zeichnet sich bei den Händlern eine gemischte Bilanz ab. Einige leben von Stammkunden, anderen überlegen, ob sie wiederkommen.

In der Altstadt bieten die Verkaufsstände auf dem Weihnachtsmarkt bis zum 23. Dezember noch einmal alles, was das Herz begehrt. Vom Almkäse bis zum Zimtplätzchen, Holzartikel, Schmuck, Winterstrick, Glaswaren und Weihnachtsdekoration.

Bei den Händlern direkt auf dem Marktplatz und rund um die St. Nikolai-Kirche fällt die Bilanz eine gute Woche vor dem Schlussgeläut durchwachsen aus. Da sind zum einen die Stände, die schon seit vielen Jahren dabei sind. So kann man am Stand von Bäckerin Cornelia Solbrig und ihrem Mann bereits seit 1999 Stollen nach dem Rezept des Urgroßvaters kaufen. Die beiden kommen aus Burgstädt, wo sie ihre Bäckerei mit eigenem Café betreiben. „Wir können uns nicht beschweren“, sagt Cornelia Solbrig, erinnert sich jedoch auch an noch bessere Zeiten. „Im Vergleich zu den letzten Jahren ist der Umsatz um 15 Prozent gesunken. Heute gehen noch etwa 80 Stollen pro Tag über den Ladentisch, früher waren es deutlich mehr.“ Dafür seien die Spandauer Kunden herzlicher als anderswo.

Für „Stella Bijou“ waren es gute Wochen bisher. „Ich bin absolut zufrieden“, sagt Susanne Galvani. Mit ihrem Modeschmuck ist sie das zweite Mal auf dem Spandauer Weihnachtsmarkt und profitiert von der Laufkundschaft, die nebenher in den Geschäften einkauft. „In der Woche merkt man zwar schon, dass die Leute aufs Portemonnaie gucken“, hat sie festgestellt. Das machen die zahlreichen Touristen am Wochenende aber wieder wett. Zur nächsten Saison will Susanne Galvani auf jeden Fall wiederkommen. Auch Achim Persch von der Müritz baut seinen Stand auf dem Mittelaltermarkt vor der Kirche im kommenden Jahr wieder auf. Dann wäre er mit seinen handgefertigten Lederwaren aus der „Manjoa Ledermanufaktur“ das achte Mal in Spandau. Die jährlich steigende Standgebühr nimmt er in Kauf. „Es ist einfach zu gemütlich hier.“ Achim Persch hat viele Stammkunden und die kommen immer wieder. „Sie brauchen ein neues Lederband oder ein Beutelchen.“

Zufrieden mit dem Weihnachtsgeschäft ist auch Markus Döhla. Am Stand der Tourismuszentrale Fichtelgebirge verkauft er aus der „Genussregion Oberfranken“ regionale Produkte. „Viele Spandauer kennen uns. Sie machen Urlaub in unserer Region und fragen dann auf dem Weihnachtsmarkt gezielt unsere Produkte nach“, sagt Döhla. Dazu gehören Glühwein, Lebkuchen, Spirituosen, Wurst- und Fleischprodukte. Von weiter her kommen Joseph N. Kassis und seine Söhne. In Bethlehem hat der Vater ein Geschäft für christliche Figuren aus Olivenholz. Mit seinen Arbeiten vom „Geburtsort Jesu“ ist er das erste Mal in Spandau, bisher aber nicht sehr zufrieden. „Die Spandauer scheinen an unseren Holzschnitzereien nicht so interessiert. Vielleicht läuft es nächstes Jahr besser.“

Es gibt aber auch einige Markthändler, die noch nicht wissen, ob sie im kommenden Winter wieder mit dabei sein werden. So zum Beispiel Rolf von der Hagen. Mit seinen handbemalten Glaswaren ist er das erste Mal vor Ort. „Mit dem Umsatz bin ich nicht zufrieden. Da hatte ich mir mehr erhofft“, sagt der Charlottenburger. Offenbar seien die Spandauer am Kunsthandwerk nicht so interessiert und würden ihr Geld lieber für Glühwein ausgeben. „Ich investiere Zeit, Mühe und alles, was ich bekomme, sind kalte Füße.“ Auch für Jochen Schmidt fällt die Bilanz eher nüchtern aus. „Alle sagen immer, sie wollen mehr Kunsthandwerk, aber diese Produkte werden heute kaum noch angenommen. Vor 40 Jahren war der Spandauer Weihnachtsmarkt noch einer der schönsten Kunsthandwerkermärkte in Berlin.“ Ob er mit seinen Schmiedearbeiten aus der Kunstschlosserei am Ende doch noch Gewinn macht, weiß er nicht. „Das ist ein zähes Geschäft. Manchmal kommen die Leute erst auf den letzten Drücker.“ uk
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