Acht Menschen starben bei Fluchtversuchen an der Grenze

Viele Spandauer kamen zu der Gedenkfeier, darunter Altbürgermeister Konrad Birkholz und Ex-Staatssekretärin Monika Helbig. (Foto: C. Schindler)

Staaken. Dem Bau der Berliner Mauer am 13. August 1961 gedachten Bezirksamt und Heimatkundliche Vereinigung Spandau am Sonntag, 12. August, mit einer Kranzniederlegung am Mauer-Mahnmal an der Heer-, Ecke Bergstraße.

Ursprünglich sollte Altbürgermeister Werner Salomon (SPD) der Hauptredner der Veranstaltung sein, doch wegen einer Erkrankung des 85-Jährigen verlas Bürgermeister Helmut Kleebank (SPD) die Rede Salomons. Der war zu der Zeit des Mauerbaus noch nicht in der Kommunalpolitik tätig. Als Gewerkschaftssekretär gehörte er jedoch zu denjenigen Berliners, die besonders aktiv gegen die Teilung der Stadt protestierten. In Lautsprecherwagen riefen damals zum Beispiel Gewerkschaftsfunktionäre die West-Berliner dazu auf, die von Ost-Berlin betriebene S-Bahn zu boykottieren. Mit den Fahrscheinerlösen sollten nicht die Grenzanlagen subventioniert werden. Die West-Berliner folgten dem Aufruf: Die Zahl der S-Bahn-Nutzer ging dramatisch zurück, die Zahl der Kunden der West-Berliner BVG stieg innerhalb weniger Tage um 100 000. Auch Werner Salomon rief in einem solchen Lautsprecherwagen am Zoologischen Garten seine Mitbürger zum S-Bahn-Boykott auf.

Als Spandauer Bürgermeister sorgte er dann international für Aufsehen, als er als erster Kommunalpolitiker West-Berlins und West-Deutschlands eine Partnerschaft mit einer DDR-Kommune anregte. Seine Wahl war auf Nauen gefallen, einer Stadt, die vor der Teilung des Landes als Teil des Havellandes enge Verbindungen zu Spandau hatte, das sich selbst gern die "heimliche Hauptstadt des Havellandes" nannte. Bei den Besuchen in den 1980er-Jahren habe er gespürt, so Salomon, dass die DDR wirtschaftlich wie politisch am Ende war.

Der Vorsitzende der Heimatkundlichen Vereinigung Spandau, Karl-Heinz Bannasch, warnte im Anschluss vor der Verharmlosungen der DDR-Diktatur, die zunehmend zu beobachten seien. Er nannte namentlich die acht Menschen, die im Spandauer Bereich der Mauer bei Fluchtversuchen starben. Darunter auch der Grenzsoldat Ulrich Steinhauer, der am 4. November 1980 in Schönwalde von einem flüchtenden Kameraden erschossen worden war.

Baustadtrat Carsten-Michael Röding (CDU) erinnerte zudem an eine weitere Gedankenlosigkeit im Umgang mit der jüngeren deutschen Vergangenheit. Als die Länder Berlin und Brandenburg an der ehemaligen Grenze Erinnerungstafeln aufstellten, befand sich die für Spandau gedachte rund einen Kilometer weit in der ehemaligen DDR, in West-Staaken. Die Planer hatten vergessen, dass West-Staaken schon 1951 der DDR zugeschlagen worden war. Schließlich wurde die Tafel korrekt am ehemaligen Grenzverlauf am heutigen Standort aufgestellt.


Christian Schindler / CS
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